Kiezkamera

Veröffentlicht am 14.05.2019 von André Görke

1989-2019: Glienicker See. Vorige Woche hatten wir Sie nach Fotos vom Glienicker See in Kladow gefragt. Der war bis 1989 geteilt; die Berliner Mauer verlief genau in der Mitte – Bojen trennten West-Berlin und die DDR (wo logischerweise noch eine „richtige“ Mauer am Ufer stand). 30 Jahre ist das im Herbst her. Haben Sie noch Fotos oder Erinnerungen? spandau@tagesspiegel.de. Wir bekamen viele Bilder (Dank auch an Leser Patrick Tohermes). Fasziniert hat uns diese Luftaufnahme von Newsletter-Leser Mario Heinlein. Erzählen Sie uns die Geschichte dazu, Herr Heinlein? Gern.

„Das Bild entstand im November, nachmittags in der Dämmerung. Das Foto zeigt den Glienicker See mit den zwei Inseln, rechts Groß Glienicke, hinten der Sacrower See. Ich habe das Foto mit einer Drohne gemacht, etwa in 60 Metern Höhe“, erzählt Mario Heinlein, 37, aufgewachsen in Kladow („da lebe ich auch heute wieder“) und im Alltag Kurier-Fahrer. „Fotografie ist reine Passion für mich. Die Drohne mit der Kamera setze ich seit einem Jahr ein. Ich kann sie dort oben in der Dämmerung sehen, sie hat zwei Lichter. Unten am Boden sehe ich die Live-Aufnahme auf meinem Tablet.“

„Ich respektiere die Privatsphäre anderer Menschen. Klar, es gibt Bedenken, die ich ausräumen möchte, das ist nicht immer ganz leicht. Die Leute fragen mich, ob ich Stasi reloaded bin. Nein, mich interessiert kein Privatgarten oder wer von A nach B läuft. Mich interessieren Landschaften, nicht Menschen“, erzählt uns Heinlein. „Am besten sind Motive, die man schnell erkennt – ich veranstalte ja kein Suchspiel. Mich fasziniert die Zitadelle und die Natur ringsrum. Oder Imchen vor Kladow, weil sich die Insel immer wandelt. Andere Jahreszeiten, kahle Bäume, anderes Licht.“

„Der Wind ist fast nie ein Problem, ich war schon auf Mallorca und bei sieben Windstärken in der Luft. Da hält der Akku nur nicht so lange“, erzählt uns Heinlein. „25 Minuten kann die Drohne oben bleiben – klar passe ich auf, ich will ja nicht 1000 Euro im See versenken. Im letzten Winter habe ich einen Kalender mit Spandauer Motiven herausgebracht – eine Spendenaktion fürs Kinderheim „Sancta Maria“ am Havelufer in Kladow. 60 Stück haben wir verkauft, das Geld haben wir gespendet. Vielleicht mache ich für 2020 so was wieder. Ich hadere noch.“ – André Görke

  • Die Leserbilder vom Glienicker See zeige ich Ihnen unter diesem Tagesspiegel-Link. Dort finden Sie auch noch zwei weitere Drohnen-Aufnahmen von Newsletter-Leser Mario Heinlein.
  • Das Kinderheim Sancta Maria von den Hedwigsschwestern gibt es übrigens seit 1946. Hier mehr zur Historie. 75 schnelle Fakten zu Kladow lesen Sie hier unter diesem Tagesspiegel-Link.
  • Und Ihre Spandau-Fotos? Ob Gatow, Hakenfelde oder Staaken – wir sammeln die schönsten Fotos für jeden Ortsteil und zeigen Sie anderen Leserinnen und Lesern des Spandau-Newsletters. Lust? Mail mit Name an spandau@tagesspiegel.de
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    Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Spandau entnommen. Den Newsletter schicken wir Ihnen einmal pro Woche zu, kompakt per Mail. Den Spandau-Newsletter können Sie unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de.
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