Kiezkamera

Veröffentlicht am 19.11.2019 von André Görke

Dieses Foto ist eine Rarität: Es zeigt den jüdischen Friedhof in Berlin-Spandau. Der wurde vor 80 Jahren von den Nazis geschlossen, die Toten wurden nach Weißensee gebracht. Der Heilige Ort am Vivantes-Krankenhaus geriet lange in Vergessenheit. Jetzt wird eine Tafel an den jüdischen Friedhof erinnern. Am Sonntag, 24. November 14.30 Uhr lädt der evangelische Kirchenkreis Spandau zusammen mit der Jugendgeschichtswerkstatt zur Einweihung der Gedenktafel ein. Wo? Gegenüber dem ehemaligen Friedhofseingang in der Neuen Bergstraße, Höhe Nr. 6a.

Den Friedhof der Jüdischen Gemeinde gab es seit 1859. „Damals kauften die Spandauer Juden ein Grundstück in dem hügeligen Gebiet der Schülerberge – einer Hügelkette, die sich von der Havel an der Schützenstraße entlang bis zur Schönwalder Straße erstreckte“, schreibt Gudrun O’Daniel-Elmen, Beauftragte für Erinnerungskultur im evangelischen Kirchenkreis, gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Biskup. Später ließ das preußische Militär die Hügel abtragen, nur einer blieb stehen – bis heute: der Hügel auf dem jüdischen Friedhof, einer Enklave auf dem Militärgebiet. „In der Neuen Bergstraße entstand ein Doppelportal und eine repräsentative Trauerhalle. Das Gelände wurde von einer Mauer umgeben.“

„Spandauer Feld“: Spandaus tote Juden wurden nach Weißensee gebracht. Nach jüdischer Auffassung währt die Totenruhe ewig, ein Friedhof kann daher nicht aufgehoben werden. Trotzdem ließ die Wehrmacht den Friedhof schließen, die Gräber wurden 1940 verlegt auf den Friedhof der orthodoxen Gemeinde Adass Jisroel in Weißensee in der Wittlicher Straße. Dort existiere das so genannte Spandauer Feld bis heute – ist aber für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich. Der Bezirk Spandau hat bisher keine Verantwortung für Instandsetzung und Pflege übernommen. Foto: –Kohstall/Archiv des stadtgeschichtlichen Museums Spandau – Text: André Görke
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