Kiezkamera

Veröffentlicht am 04.02.2020 von André Görke

Wahrzeichen in Berlin-Spandau: die Speicher am Havel-Ufer. Diese Häuser kennt jeder: Erbaut in den 30er Jahren vom „Heeresverpflegungsamt“, gelegen gegenüber der Insel Eiswerder und genutzt als Silo – und dann Jahrzehnte vergessen.

Im Keller gab es in den 90ern Proberäume für Spandauer Musikbands und leider viele Ratten, also mussten die Musiker wieder raus. Schnief! Bäume wuchsen durchs Dach. Vor zwei Jahren hat die „Buwog Gruppe“ das Areal an der Parkstraße erworben.

„Nachdem es in den Szenebezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Prenzlauer Berg praktisch keine Bauflächen mehr gibt, ist das Spandauer Havelufer die ideale Alternative“, hatte der damalige Berlin-Chef Alexander Happ gesagt. Fertigstellung: 2020. Okay, das war zu sportlich, aber an den Speichern ist längst eine der größten Baustellen im Berliner Westen entstanden – siehe Fotos.

630 Wohnungen am Fluss: Hier der aktuelle Zeitplan. Ich habe für den Spandau-Newsletter Michael Divé angefunkt. Er ist Deutschland-Sprecher der Buwog, die das Projekt unter dem Namen „Speicherballett“ vermarktet und 275 Millionen Euro investiert. Hier das Update für Sie im Februar 2020: Am Havel-Ufer entsteht ein Quartier mit 630 Wohnungen, davon 215 Eigentumswohnungen und 415 Mietwohnungen. Divé: „Die Fertigstellung des gesamten Gebietes ist voraussichtlich 2023.“

Was passiert dort im Frühjahr 2020? „Aktuell werden im Rahmen des ersten Bauabschnitts zwei Speicher denkmalschutzgerecht saniert – hier entsteht Wohnraum für alle Generationen in 82 Eigentumswohnungen. Die Fertigstellung erfolgt 2021“, erzählt Divé. „Der zweite Bauabschnitt umfasst 100 Eigentumswohnungen und beginnt noch 2020. Fertigstellung voraussichtlich 2022.“ Insgesamt gibt es sieben Bauabschnitte.

Der dritte Speicher ganz rechts wird 2020 abgerissen. Der hat keine Fenster, ist nicht zu retten. Da waren mal Gewerbeflächen und Ateliers angedacht – es blieb bei der Idee. Divé nennt hier den aktuellen Bauplan: „Der dritte Bauabschnitt ab Ende 2020 betrifft das dritte Speichergebäude, das sich am nördlichen Ende befindet: Hierbei wird der dritte, fensterlose Speicher abgebrochen und durch einen Neubau mit 35 Eigentumswohnungen ersetzt.“ Auf die Dächer kommen Photovoltaikanlagen, im Klo wird Regenwasser genutzt, die Wohnungen bekommen Balkone oder Vorgärten. Und der Kiez soll oben autofrei sein: Die Autos verschwinden in der Tiefgarage mit 300 Stellplätze und knapp 40 E-Ladesäulen. Cafés am Ufer sind nicht geplant. Immerhin ist dann nicht mehr so gruselig wie heute abends auf dem Havel-Radweg.

Im Frühjahr 2020 kurven Bagger auch wieder auf der Insel Eiswerder, wo gleich hinter der Brücke 90 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern geplant waren. Der bisherige Projektentwickler hatte das unbebaute Grundstück im Sommer 2019 verkauft – die neue Spur führt zu einem Eigentümer nach, pssst!, Oberhausen. Der hat in Pankow eine Dependance und wird hier bald Thema sein. – Text: André Görke

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