Kiezkamera
Veröffentlicht am 25.02.2020 von André Görke
Trabi made in Berlin-Spandau. Der letzte Trabant lief 1991 in Zwickau vom Band. Hier kommt der Nachfolger – aus Spandau. Fünf dieser Geschosse kommen aus der Altonaer Straße, also aus dem Industriekiez zwischen BSR-Hof und Radhaus. Die fünf Trabis werden allerdings nicht knattern, sondern eine Art Kinosessel sein. Die Zuschauer sitzen darin und schauen über das flache Fenster hinweg auf eine Leinwand. Die Trabis werden im März aufgebaut in der Miniatur-Ausstellung „Little Big City“ am Alex.
Welche Spandauer Firma steckt dahinter? „Movie Construction“. Passt also prima zur Berlinale, die gerade läuft. Spandau ist eh eine alte Filmstadt: Hier gibt’s die legendären CCC-Studios von Atze Brauner in Haselhorst, hier entstanden Hollywood-Streifen mit Quentin Tarantino und Brad Pitt. „Metropolis“ oder „Winnetou“ wurden in Spandau gedreht, Edgar Wallace war Stammgast. Und die Filmwerke Staaken galten in den 20-er Jahren als eine der größten Filmfabriken der Welt nach Hollywood.
100 Jahre später wird immer noch an Filmen gearbeitet, und deshalb richte ich die Kamera auf den Spandauer Traditionsbetrieb, der sich seit über 20 Jahren am Markt hält und die Trabis gebaut hat: „Movie Construction“. Die Kulissenbau-Firma hat ihren Sitz in einer 600 Quadratmeter großen Halle. Chef ist Lothar Heinert, 57 Jahre alt, aus Kreuzberg, gelernter Radio- und Fernsehtechniker. Kurzum: ein echter Tüftler.
In den 90-ern ist er in die Branche reingerutscht und beschäftigt heute Bildhauer, Stukkateure, Elektriker, Tischler. „Ich mag dieses Spiel mit den unterschiedlichen Materialien.“ Und er mag den Sprung durch die Zeiten. Es ist ein Mix aus Kunst und Handwerk, den sie da in der Altonaer Straße beherrschen. In diesen Tagen bauen sie auch das Filmset für die ZDF-Serie „Kudamm ’63“ (Infos hier). Die echte Richard-Wagner-Straße in Charlottenburg sollen sie für den Dreh ummöbeln – alte Fassaden, Schaukästen, wie es halt in den 60-ern so aussah.
Spandau, Moskau, Newcastle. Die Arbeit spricht sich rum: Die Firma baute die Kulisse für die James-Bond-Party in Berlin. Heinerts Aufträge kommen aber auch von der Nordseeküste, aus Süddeutschland, bald aus Moskau („ist noch nicht öffentlich“) und aus England: „Wir bauen seit Jahren die Weihnachtsdeko für das Fenwich-Kaufhaus in Newcastle.“ Hier ein Foto. Und was mag er in Spandau? „Wenn ich zur Ruhe kommen will, dann besuche ich Insel Eiswerder.“ – Text: André Görke
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