Kiezkamera

Veröffentlicht am 03.03.2020 von André Görke

Diese zwei Fotos stammen von der Stasi. Das untere zeigt den Glienicker See in Kladow, das obere die Mauer bei den Exklaven Erlengrund und Fichtewiese in der DDR. Die Bilder verdanken wir der „Jugendgeschichtswerkstatt“ um Uwe Hofschläger, die es seit 1990 gibt und die auch zur Spionage der Stasi in Spandau forscht.

Die Stasi & Spandau: die neue Ausstellung. Eröffnung ist am Donnerstag, 5. März, 18 Uhr in der Bastion Kronprinz auf der Zitadelle. Öffnungszeiten bis 16. August 2020: Freitag bis Mittwoch von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag von 13 bis 20 Uhr. Ergänzt wird die Ausstellung durch Modelle von Mauerabschnitten in Spandau. Quelle: Rathaus

„Die Ausstellung handelt nur von Spandau, Quelle ist immer die Stasi-Unterlagenbehörde, in der ich seit Jahren zu Spandau forsche“, erzählte Hofschläger jetzt dem Spandau-Newsletter. „Es geht um verschiedene Grenzzwischenfälle, Ausspähung von Gaststätten und Polizeidiensstellen, von Grenzschleusen an der Radelandstraße, von Spandauern, die für die Stasi gearbeitet haben, der Hilflosigkeit der Stasi bei den Tauchern und Eisläufern am Glienicker See – die Grenze befand sich bekanntlich in der Seemitte.“ Die Ausstellung ist entstanden mit Schülerinnen und Schülern des Lily-Braun-Gymnasiums und des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums.

„Das obere Foto ist auf der DDR-Seite entstanden und zeigt den Zugang zu den Exklaven Erlengrund und Fichtewiese. Hinter der Mauer befindet sich die Bürgerablage in Hakenfelde, also West-Berlin. Bis zum Gebietsaustausch 1988 lagen diese Wochenendkolonien auf DDR-Gebiet und waren nur mit Passierschein zu erreichen.“ Im Hintergrund ist links die Havel zu sehen.

Das untere Foto zeigt den Glienicker See mit Schlittschuhläufern aus Kladow, die sich über die Mitte des See hinauswagen – und damit an die DDR-Staatsgrenze, die durch die Mitte des See verlief. Im Hintergrund ist die DDR-Mauer und der Todesstreifen vor Groß Glienicke zu sehen. Entstand das Foto in West-Berlin? Nein, sagt Hofschläger. „Das Foto ist meiner Meinung nach vom Wachturm auf DDR-Gebiet am südlichen Ende des Sees aufgenommen worden. Der See macht im Süden an der Spitze nahe dem Sacrower See eine Biege, daher ist dieser Blick möglich gewesen.“ Der Wachturm der DDR-Grenzer müsste also am Ende der heutigen Landhausstraße entstanden sein – ungefähr hier.

30 Jahre Jugendgeschichtswerkstatt. „Neben unserem Schwerpunkt der NS-Geschichte in Spandau ist auch seit längerem die deutsch-deutsche Teilung in Spandau ein großes Thema“, erzählt Hofschläger. Kontakt? Dann hier: www.jgwspandau.de

Mein Linktipp: „Achtung, in 170 Metern endet West-Berlin“. Diese Worte standen auf einem Schild am Badestrand des Glienicker Sees in Kladow. Sebastian Ruff vom Stadtmuseum hat jetzt ein Foto von 1968 gefunden – hier können Sie es sehen. Fotograf war Rolf Goetze, den ich hier im Spandau-Newsletter schon einmal vorgestellt habe: Er war der Mann mit den 18.000 Berlin-Fotos. Hier mein Portrait. – Text: André Görke

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