Kiezkamera

Veröffentlicht am 19.05.2020 von André Görke

Ein Pfau spaziert die Havel entlang. „Wenn wir nicht in den Zoo gehen können, kommt der Zoo zu uns“, schrieb mir Heide Eppelsheim aus der Gatower Straße. „Heute stand ein Pfau bei uns auf der Terrasse.“ Und Norbert Baron meldet sich vom Pichelsseee: „Seit ein paar Tagen befindet sich auf unserer Halbinsel zwischen DLRG und der IG Metall ein Pfau, der auf der Straße herumstolziert oder auf Dächern und Bäumen thront.“ Nachbarn geben Vogelfutter und Haferflocken und sorgen sich, dass das Tier nicht überfahren wird. „Da wir nicht wissen, wen wir benachrichtigen sollen, wenden wir uns hilfesuchend an Sie“, schreibt mir Herr Baron. „Denn wir wollen doch, dass der Vogel wieder zu seiner alten Heimat zurückfindet – vielleicht die Pfaueninsel?“

Ich habe einfach mal den Wildtierbeauftragten der Stadt angerufen: Derk Ehlert. Der wurde hellhörig, ließ sich die Fotos geben und fachsimpelte mit Jan Uhlig, dem Leiter der berühmten Pfaueninsel. Hinterher erzählte Ehlert dem Spandau-Newsletter:

„Das Tier auf dem Foto ist ein junges Männchen, ein Jugendlicher. Er kommt nicht von der Pfaueninsel, denn er ist nicht beringt. Die haben auf der Pfaueninsel aktuell 30 Tiere, aber sie vermissen dort kein so junges Tier. Nach Kladow kommen immer wieder Tiere rüber, aber meistens sind das Weibchen. Die können bei gutem Wind ein paar hundert Meter weit von der Pfaueninsel flattern und kommen abends auch wieder über die Havel zurück. Männchen können das nicht so gut. Ich sehe auf den Fotos ein sehr gepflegtes Tier. Der muss irgendwo einen sicheren Rückzugsort haben, wo er auch von Menschen gefüttert wird. Da bin ich mir sicher. Pfauen schlafen in Bäumen.

Das Tier wehrt sich gegen Waschbären und Greifvögel. Der Vogel scheint sich an Menschen gewöhnt zu haben. Auf den Fotos läuft er über Terrassen und zwischen Autos lang. In Lebensgefahr ist er nicht. Ernsthafte Probleme macht ihm eher ein richtig kalter Winter – falls jemand noch weiß, was das ist.

Trotzdem sollte das Tier dort lieber weg. Wer ihn sieht, soll bitte Kontakt mit der Pfaueninsel aufnehmen. Die würden das Tier vorsichtig auf die Insel mitnehmen – das wäre auch gut für die Blutauffrischung auf der Pfaueninsel. Und bitte nicht füttern.“ – Text: André Görke
+++
Dieser Text erschien zuerst im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau. 210.000 Abos haben unsere Newsletter aus den Berliner Bezirken schon. Die gibt es in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de
+++
Mehr Themen aus Spandau im aktuellen Newsletter

  • Wie lange wird an der Heerstraße gefummelt? Es gibt ein neues Datum
  • Wem gehört der Pfau an der Havel? Berlins Wildtierchef redet
  • Wann öffnen die Bürgerämter? Jetzt redet der Stadtrat
  • Welche Busspuren sind geplant? Jetzt redet die BVG
  • Wann starten die Ausflugsboote? Jetzt reden die Reeder
  • Wie viele Bürger sind in Quarantäne? Das weiß der Stadtrat
  • Was wird aus dem SSV-Casino? Das steht im Haushalt
  • ….und wo ist denn nun der 2. Kreisverkehr im Bezirk? Das verrät der Stadtrat
  • Den Spandau-Newsletter gibt es kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de