Kiezkamera
Veröffentlicht am 22.09.2020 von André Görke

Das ist der ho-ho-holprigste Fahrradweg von Berlin-Spandau. Sie sehen das „Spandauer Tor“ an der Gutstraße in Kladow. Dahinter befinden sich der Ritterfelddamm und der Flugplatz Gatow: hier ein kleines Video. Diese fiese Holper-Piste ist jetzt Thema im Rathaus von Berlin-Spandau – nicht zum ersten Mal, aber der Reihe nach.
Der Kopfsteinpflasterweg verbindet die Badestrände am beliebten Glienicker See miteinander, ist also wichtig für Schwimmer, Ausflügler, Flaneure mit Kinderwagen. Und natürlich wichtig für Fahrradfahrer, weil diese Strecke die schnellste und direkteste Verbindung von Spandau nach Potsdam ist. Früher stand am Ende der Straße die DDR-Mauer. Autofahrer landen in einer Sackgasse und fahren einen Bogen über die Potsdamer Chaussee.
Der Haken: Radfahrer brauchen sofort einen Termin beim Orthopäden. Das Kopfsteinpflaster ist schön, hat Charme, ist aber krumm und böse holprig. 2019 sprach ich Stadtrat Frank Bewig, CDU, darauf an. „Ich kenne das Problem“, sagte er mir damals. „Das ist ein kurzer Abschnitt mit Kopfsteinpflaster, vielleicht 300 Meter. Wir haben uns die Gutsstraße angeschaut, aber der Denkmalschutz sieht hier die Notwendigkeit, das historische Pflaster in dieser Form zu erhalten.“
Nur diese Kopfsteinpflasterstraße steht in Spandau unter Denkmalschutz, als einzige im Bezirk. Bewig sagte dem Spandau-Newsletter damals: „Man kann den Radweg auch an den Rand des Kopfsteinpflasters setzen. Ich habe meine Abteilung gebeten, da noch mal nach Ideen zu suchen.“ Kommt da noch was 30 Jahre nach der Wiedervereinigung? Neulich sprach ich Jochen Liedtke, SPD, auf diesen Radweg an. Er ist Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Rathaus.
„Mit dem Rennrad fahre ich dort auch nicht durch“, erzählte mir Liedtke, selbst Fahrrad-Vielfahrer. „Der Radweg im Gutspark wurde mehrfach beantragt in den vergangenen Jahren und mindestens zweimal beschlossen. Auch die Kompromissvariante einer Teil-Asphaltierung wurde geprüft und wieder verworfen – Denkmalschutz. Es bleibt schwierig: ein „Secteur Pavé“, nichts für Radfahrende mit schlecht gesichertem Gepäck.“ Seine Idee: „Vielleicht eine Alternativroute für diejenigen entwickeln, die sich das Kopfsteinpflaster nicht geben wollen.“
Jetzt landet die Straße wieder auf der Rathaus-Agenda. Die Grünen um Gollaleh Ahmadi und Oliver Gellert, beide Grüne, fordern erneut eine „barrierefreie Gestaltung links und rechts neben der Pflasterung“. Nachzulesen in Antrag Nr. 1908.
Und wer restauriert das Bauwerk? Das „Potsdamer Tor“ auf der anderen Seite des Gutsparks ist längst erneuert und sieht gepflegt aus: hier ein Foto aus Groß Glienicke. Das Tor auf Spandauer Seite hingegen sieht dagegen sehr rustikal aus. – Text: André Görke
- Mein Fototipp: Gutsstraße, 1981. Mit Polizei und Schafen. Hier das Foto.
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