Kiezkamera

Veröffentlicht am 27.10.2020 von André Görke

Spandau ist bei Bahn-Fans eine echte Berühmtheit. Wir haben nicht nur das längste Bahnhofsdach in Deutschland (ICE-Bahnhof, 430 Meter) und die tapferste Baustelle (es wird fast 50 Jahre dauern, bis die S-Bahn wieder nach Staaken rollt). Nee,  jetzt sogar eine Bahnhofspinte aus Spandau Teil des deutschen Eisenbahnmuseums in Nürnberg. Wie kam es denn zu der Geschichte?

„Das Kneipenschild ‚Bahnhofs Stübl‘ hing bis zuletzt an der Station Siemensstadt“, hat mir jetzt mein Tagesspiegel-Kollege Jörn Hasselmann berichtet. Er war gerade im Nürnberger Museum. „Mit der Stilllegung der S-Bahnstrecke im Jahr 1980 ging es mit der Gaststätte bergab, irgendwann fiel auch das ‚B‘ herab.“ Deshalb steht im Museum nur „ahnhofs Stübl“ – gut auf dem Foto oben zu sehen. „Über viele Umwege wurde der neue Chef des fast 100 Jahre alten Nürnberger Museums, das mittlerweile DB-Museum heißt, auf das Relikt aufmerksam gemacht. Das fehlende „B“ wollte Oliver Götze nicht ersetzen, denn das zeige die Zeitläufe am besten. Oliver Götze kennt sich in Berlin aus, schließlich ist er gebürtiger Berliner und war bis 2017 stellvertretender Direktor des Museums für Kommunikation in der Leipziger Straße. Kürzlich zeigte er dem Berliner Bahnchef Alexander Kaczmarek das Museum, und natürlich hatte die Berliner Bahn das Stübl-Schild herausgerückt. Es ist nun Teil der neuen Dauerausstellung ‚Bahnhofszeiten‘.“

„Kleine Kioske und Bierstuben prägen bis in die 1990er Jahre das Bild vieler Bahnhöfe“ heißt es auf dem Erklärtäfelchen zum Exponat. Kaczmarek will die Strecke bis 2029, zum 100. Geburtstag, wiedereröffnen. Dann rollt die neue S-Bahnlinie S6 alle zehn Minuten über den Ring zum unterirdischen Hauptbahnhof. Ob es an der Station Siemensstadt wieder eine Bahnhofskneipe (oder andere Gastro) geben wird, steht noch nicht fest.

Im Innern der Kneipe hängt übrigens ein „Falco“-Plakat. Als ich die Ruine im letzten Sommer besucht habe, entdeckte ich neben dem Tresen das Konzertplakat („27. Oktober 1986 – live in der Eissporthalle“). Hier mein Foto aus dem Innern der Bahnhofskneipe. Es ist echt lange her: Falco starb 1998 und die Eissporthalle an der Jafféstraße wurde im Frühjahr 2001 abgerissen.

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