Kiezkamera

Veröffentlicht am 02.11.2020 von André Görke

Wo ist das Mahnmal an der Synagoge hin? Das linke Kunstwerk mit dem Davidstern kennen Sie vielleicht: Es erinnert an die Synagoge von Berlin-Spandau, die einst an der Spree Ecke Havel stand und von den Nazis bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 niedergebrannt wurde. Hier ein Foto der Synagoge. Am Fluss steht seit den 80er Jahren ein großes Mahnmal (rechtes Foto). Das Kunstwerk mit dem Davidstern hängt gleich gegenüber, am Lindenufer Ecke Kammerstraße. Das Mahnmal an der Fassade stammt von Volkmar Haase. Er ist einer der bekanntesten deutschen Bildhauer und lebte 50 Jahre in Kladow.

  • In seinem Ateliergarten im Sakrower Kirchweg stehen noch immer viele Kunstwerke (Foto)
  • wie auch an der Scharfen Lanke (Foto),
  • oder im Johannesstift (Foto). Hier ein bisschen Lesestoff.

Doch das Relief an der Synagoge wurde jetzt abgeschraubt. Kommt es wieder? Ja. „Das Relief wird auf Anregung der Erben von Volkmar Haase restauriert“, schreibt mir Gudrun O’Daniel-Elmen. Sie ist die Beauftragte für Erinnerungskultur im evangelischen Kirchenkreis Spandau. Die Restaurierung nehme ein Schüler von Volkmar Haase vor: der Stahlbildhauer Karl Menzen aus Schönefeld – hier ein Foto. „Die Kosten dafür tragen zu gleichen Teilen das Bezirksamt, der evangelische Kirchenkreis und die Besitzer des Hauses Lindenufer 12“, erzählt Gudrun O’Daniel-Elmen. „Ich freue mich besonders darüber, dass die Hauseigentümer auf diese Weise Verantwortung für ihr Grundstück übernehmen.“ Die Ruine der Synagoge soll bis 1942 noch gestanden haben; Spandaus letzter Rabbiner Arthur Löwenstamm wohnte in der Feldstraße – vor Hausnummer 11 steht eine Gedenktafel auf dem Bürgersteig. Hier meine Fotos.

Wird das Mahnmal anders aussehen? Ja, ein bisschen. „Auf Anregung der Witwe Ingrid Haase und der Tochter Katja Haase wird das Relief mit einer Edelstahlplatte hinterlegt, was die unschönen Verschmutzungen hinter dem Relief zum einen kaschieren wird, zum anderen auch das Relief auf der Wand etwas mehr zum Wirken bringen soll“, erzählt O’Daniel-Elmen. „Außerdem wird das Relief gereinigt und die Rostspuren werden entfernt.“

Der Gedenktag an die Novemberpogrome in Spandau findet trotz Corona statt, allerdings in diesem Jahr etwas anders. Darauf habe sich die Kirche gemeinsam mit Bürgermeister Helmut Kleebank, SPD, verständigt. „Vom Kantor gesungene Gebete und Redebeiträge wird es in diesem Jahr nicht geben, sondern lediglich ein stilles Gedenken mit Kranzniederlegungen“. Wann und wo? Mittwoch, 11. November, 10 Uhr am Mahnmal Lindenufer/Sternbergpromenade. Maske und Abstand nicht vergessen. Das Kunstwerk an der Fassade soll dann auch wieder zu sehen sein. Befestigt werden soll es am Freitag, 6. November, höre ich aus der evangelischen Kirche.

Nie wieder. An welchen Orten Spandau der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt – eine kleine Auswahl mit einer interaktiven Karte:  interaktiv.tagesspiegel.de/lab/niemals-vergessen – Text: André Görke
+++
Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau. Mehr davon? Gern. Den kompletten Newsletter gibt es kostenlos und einmal pro Woche kompakt hier leute.tagesspiegel.de
+++
Hier die Themen aus dem aktuellen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel

  • Neuer S-Bahntunnel am Rathaus: Hier ist die Idee, die neuen Bahnhöfe – und welcher Bahnhof bei Ikea gebaut werden könnte.
  • Liebeserklärung an den Hahneberg (und ein Gastro-Tipp)
  • Corona, Kneipen, Bürgeramt – Stadtrat gibt Ausblick im Newsletter
  • Barfly oder Burger-Laden in Kladow: Gastronomen nennen ihre Corona-Agenda
  • Krach auf der Havel von der Scharfen Lanke bis Kladow: Jetzt redet Innensenator Geisel und widerspricht dem Verkehrsminister
  • Großbaustelle vor dem Rathaus: Wochenmarkt musste weichen
  • 16 Etagen in der Wasserstadt: neue Simulation des Hochhauses
  • 9. November 1938: Wo ist eigentlich die Erinnerungstafel an Spree Ecke Havel geblieben?
  • Tschö TXL: Anwohner aus der Anflugschneise nehmen Abschied – vom Falkenhagener Feld bis Siemensstadt
  • Neues Ärzte-Album (und ganz viele Töne aus Spandau)
  • Lions Club: Neuer Kalender für Suppenküche Spandau
  • Rudi Völler und die Siemensbahn: Alte Bahnhofskneipe vor dem Abriss?
  • Rätsel: 100 Jahre Bibliothek – aber wo stand die erste Bücherei?
  • Es begann bei Blau-Weiss Spandau und Sportfreunde Kladow: Zwei Premieren von Talenten aus Spandau im Profifußball
  • Großartiger Leser-Bericht: Wie feiert man eigentlich ein Familienfest in Coronazeiten?
  • …und noch mehr exklusive Nachrichten, viele Termine und Tipps – im Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel: leute.tagesspiegel.de