Kiezkamera

Veröffentlicht am 05.06.2022 von André Görke

Die Ärzte haben gestern Abend in der ausverkauften Zitadelle gespielt, und irgendwie hatte das was von aufgekratzter Klassenfahrt-Atmo. Herrlich! Alte Punker, Schulleiterinnen, Stadträte, Exil-Spandauer, Polizisten, Imbissbetreiber, Hertha-Fans: Unzählige Leute aus Spandau entdeckte ich im leicht ergrauten Publikum, logo, war ja auch ein Heimspiel. Denn 1980 haben sich die Ärzte um Bela B. (59, aufgewachsen in der Seegefelder Straße) in Spandau gegründet: Ihr erstes Konzert gaben sie damals im Johannesstift.

„Der berühmteste Spandauer der Welt: Bela B!“, rief dann auch gleich Sänger Farin Urlaub (aus Frohnau), und gemeinsam frotzelten sie routiniert über Spandau und seine alte Festung. „Hier hat sich seit dem Mittelalter nicht viel getan… werden in Spandau eigentlich noch Hexen verbrannt?“

Vor mir im Publikum standen die Musiker von SDP („die bekannteste unbekannte Band der Welt“), die mit ihren Konzerten selbst die Wuhlheide füllen. Auch sie sind Kinder der 80-er und mit den Ärzten groß geworden. Sie haben einst das Kant-Gymnasium besucht.

Apropos Schule: Bela B. hat meinen kleinen Tagesspiegel-Text über Spandau und die Ärzte gelesen und gleich mal über seine Social-Media-Plattformen verteilt, garniert mit Mini-Korrekturen. Denn keiner kennt Bela B. besser als Bela B. selbst, nicht wahr?

„Der Tagesspiegel hat die Wichtigkeit des heutigen Events erkannt“, schrieb der Musiker, auch er sei ganz hibbelig. Aber: „Ein paar Wahrheiten im Tagesspiegel sind nicht ganz 100%ig.“ Ich schrieb, Bela B. habe die Carlo-Schmid-Schule an der Lutoner Straße besucht – ist aber nicht ganz korrekt. Denn in der Carlo-Schmid-Schule war nur der Proberaum, schrieb Bela B. „Ich war auf der Schule am Egelpfuhl. Die heißt jetzt anders.“

Kurz vor 22 Uhr war nach fast drei Stunden Konzertende in der Zitadelle. Es war noch hell, viele Leute lächelten glückselig, an der Schleuse spielte ein Dudelsackspieler seine Lieder und die Kirche St. Nikolai thronte in der blauen Stunde stolz über der Altstadt. Ob die Ärzte wohl noch mal wiederkommen? Text: André Görke
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