Kiezkamera

Veröffentlicht am 16.09.2024 von André Görke

Dieses Bild ist zum Schreien komisch. Anzugträger mit Schlips, Spandauer Garde mit bunten Kostümen, hinten das Brauhaus, links im Bild: tschingderassabumm. Mehr Folklore geht nicht! Am Ende ist dieses Bild vor allem eines: so wunderbar banal.

Schreckliche Bilder gab es ja auch genug aus Israel, seit die Terroristen der Hamas das Land vor bald einem Jahr überfallen haben, Menschen raubten, quälten, vergewaltigten und töteten.

Die beiden Männer rechts neben Bürgermeister Frank Bewig, CDU, kommen aus Aschdod, Spandaus israelischer Partnerstadt seit 1968. Erstmals ist damit seit vielen Jahren eine israelische Delegation auf Einladung eines Bürgermeisters nach Spandau gereist.

Aschdod hat 230.000 Einwohner und ist eine wichtige Hafenstadt am Meer, 40 Kilometer nördlich des Gaza-Streifens. In Spandau gibt es eine Aschdod-Straße, am Rathaus hängt das Wappen von Aschdod, in der Altstadt erinnert der Partnerschaftsbrunnen an Aschdod … hier noch mehr Basiswissen in 14 schnellen Punkten im Tagesspiegel.

Den Besuch von Bürgermeister Yehiel Lasri und Vize Shimon Katznelson hatte Bewig hier in meinem Tagesspiegel-Interview für diesen September angekündigt. Damals war Bewig nach Israel gereist, um die eingeschlafenen Beziehungen zwischen beiden Städten wiederzubeleben und Solidarität zu zeigen.

Das Programm für die Gäste aus Israel: eine Führung durch die Zitadelle mit Museumschefin Urte Evert, ein Besuch am Mahnmal am Lindenufer (dort stand einst die Synagoge), ein Besuch des Rathauses, Arbeitstreffen mit Wirtschafts- und Tourismusleuten, ein Austausch mit dem Sanitätsregiment der Kladower Bundeswehr, ein Treffen beim Regierenden Kai Wegner, CDU, im Roten Rathaus sowie ein Besuch bei Florida Eis in Staaken bei Olaf Höhn – natürlich stilecht mit Haarnetz. Hier zeigt Bürgermeister Bewig noch mehr Fotos auf seiner Facebook-Seite.

Zukünftig soll der Kontakt zwischen den Menschen beider Städte weiter intensiviert werden, beispielsweise durch Schüler- und Sportaustauschprogramme. Das hatte Bewig bereits im Frühjahr angestoßen: hier das ganze Interview im Tagesspiegel.

Spandau hat acht Partnerstädte: Neben Aschdod sind das Asnières-sur-Seine (Paris), Iznik (nahe Istanbul), Luton (London) sowie Nauen und das Havelland und Siegen und Siegen-Wittgenstein. Zudem unterhält Spandau „Freundschaften“ nach Faßberg (Celle, wegen der Luftbrücke nach Gatow), nach Wolgograd in Russland (ruht wegen des Krieges) und nach – Überraschung! – Berlin-Neukölln.

Spandau hat eine Freundschaft mit Neukölln?! Ja, kein Witz, und zwar seit 1. Oktober 1984. Sie wird offiziell auf der Seite des Spandauer Partnerschaftsvereins um Daniel Wrobel gelistet.

Der Grund für die lokale Liebe: „Anlässlich der Verlängerung der U-Bahn-Linie 7 von Rudow nach Rathaus Spandau unterzeichneten die Bürgermeister der beiden Bezirke Neukölln und Spandau in Sektlaune eine Partnerschaftsurkunde.“ In der ersten U-Bahn saß damals Helmut Kohl und oben sang Schlagersänger Bert Beel seinen Spandauer BVG-Hit.

„Heute wollen die beiden Verwaltungen nichts mehr davon wissen“, schreiben die Neuköllner enttäuscht. Aber: „Die Freunde Neuköllns und der Partnerschaftsverein Spandau pflegen jedoch die ‚U-Bahn-Partnerschaft‘ mit gegenseitigen Besuchen …“ – partnerschaftsverein-spandau.de