Kultur

Der Bunker in der Kleingartenkolonie

Veröffentlicht am 05.05.2020 von André Görke

Der Bunker in der Berliner Kleingartenkolonie. Niemals vergessen: Vor 75 Jahren war Kriegsende in Berlin-Spandau. Und auf einen ganz speziellen Gedenkort hat mich Leser Sebastian Höbig hingewiesen. Er ist 2. Vorsitzender der „ASG Fort Hahneberg“ und daher logischerweise interessiert an Geschichte. Er lenkt den Blick auf die Kleingartenkolonie „An der Kappe“, gucken Sie mal hier. „Die Zufahrt weist noch eine Pflasterung sowie zwei Torpfeiler auf, welche dem Kenner von ihrer Machart her einen Hinweis darauf geben könnten, dass sich dort früher etwas anderes befand als die heutige Kleingartenanlage“, erzählt Höbig. Und was? „Folgt man dem Zufahrtsweg in die Kolonie, trifft man auf zwei Gartengrundstücke, auf welchen – neben den dortigen Lauben – Treppen in einen unterirdischen Luftschutzbunker führen. Ein sehr betagter Herr, welcher mir Einlass in diesen Bunker gewährte, erzählte mir, dass sich dort im Krieg ein Lager für niederländische Zwangsarbeiter befunden habe.“

In der Tat: Neben der Kolonie in Spandau wachsen die „Birken aus Birkenau“. Nicht ohne Grund: Diese Gedenkstätte gibt es seit 2012. Damals hatte ein polnischer Künstler im Rahmen der Biennale 300 junge Birken aus dem Umfeld des KZ Auschwitz-Birkenau gesammelt und in Berlin gepflanzt. Hier zwischen Spektegrünzug und Kleingartenkolonie An der Kappe wachsen zehn Birken. Und warum? Das zeigt eine weitere Infotafel vor Ort. Dort befand sich ein Arbeiterlager der Reichsbahn. Bis zu 1000 Menschen haben dort arbeiten müssen, viele Polen und Niederländer darunter. 1943 hat ein Bombentreffer das Arbeiterlager der Nazis zerstört. – Text: André Görke

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