Kultur

Geköpfte Skulptur soll in die Zitadelle

Veröffentlicht am 23.06.2020 von André Görke

Geköpfte Skulptur soll in die Zitadelle. Unbekannte haben letzte Woche in Zehlendorf einer Steinfigur aus den 20-er Jahren den Kopf abgeschlagen – hier zeigt mein Tagesspiegel-Newsletter-Kollege Boris Buchholz die Bilder und erzählt die Geschichte. Der Bezirk hatte den Abbau schon beschlossen – die Skulptur sei rassistisch (der Name ist es allemal).

Wohin mit dem Ding? Nach Spandau. Hier meine drei schnellen Fragen an Urte Evert. Sie ist seit Ende 2017 Museumschefin in der Zitadelle.

Hallo Frau Evert. Die geköpfte Skulptur soll zu Ihnen. Warum wäre die Zitadelle der richtige Ort? „Die rassistische Skulptur sollte nach einem gemeinsamen Beschluss mit der Initiative Schwarzer Menschen und dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf aus dem öffentlichen Raum entfernt werden. Die Frage war dann: ‚Was passiert damit danach?‘ Diese Frage haben sich die Berliner Bezirke ja bereits seit 1945 gestellt – und (zumindest die West-Berliner) dann die Zitadelle als passenden Abstellort entdeckt. Früher, weil viel Platz hier ist. Und heute, weil meine Vorgängerin Andrea Theissen mit einem Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein großartiges Museum geschaffen hat.“

Wo käme die denn hin und wann? „In der Ausstellung ‚Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler‘ wäre aus meiner Sicht der richtige Platz. Ursprünglich zwar als ‚Kunstwerk‘ im öffentlichen Raum gedacht, ist es erst durch den Abbau bereits zu einem politischen Denkmal geworden, das man hier kontextualisiert zeigen könnte. Durch das Abschlagen des Kopfes ist es erst recht ein direkt sicht- und anfassbares politisches Statement geworden. Allerdings möchte ich den Aufstellungsort, die Art der Kontextualisierung und alles, was damit zu tun hat in Diskussion auf Augenhöhe mit den Menschen erarbeiten, die die herabsetzende Darstellung betrifft. Gerne mit der Initiative Schwarzer Menschen, mit denen ich Kontakt aufgenommen habe, allerdings noch keine Antwort bekommen habe, weil vermutlich auch dort gerade großer Anfragen-Stress ist.“

Wissen Sie eigentlich, wo der Kopf mittlerweile ist? „Nein, ich kenne nur Witze über ewig Gestrige, die sich den Kopf ins Wohnzimmer gestellt haben, um dem erst nationalsozialistisch und dann stalinistisch wirkenden Künstler Arminius Hasemann zu huldigen.“

Wie finden Sie eigentlich das Abschlagen von Skulpturen-Köpfen oder das Umwerfen von Denkmälern? „Persönlich mag ich Beschädigungen und Gewaltausübungen auch gegen Skulpturen und Denkmäler dieser Art nicht. Überhaupt nicht – ich bin Bewahrerin und Ausstellerin. Allerdings kann ich die Wut, die sich hier Bahn bricht, ein Stück weit verstehen. Ich hoffe nur, dass wir gemeinsam Wege finden, vielleicht auch unterschiedliche, mit diesen Objekten umzugehen, die Geschichte problematisiert, nicht vernichtet.“ – Text: André Görke
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