Kultur

"Zwangsarbeit in Spandau": 2022 wird lehrreich

Veröffentlicht am 21.03.2022 von André Görke

Letzte Woche nannte Urte Evert hier den Zeitplan für das monumentale NS-Kunstwerk „Hitlers Bronzepferde“, das im Juni in die Zitadelle kommt. Und ich verriet: Da kommt noch mehr.

Am 7. April nämlich wird es auf der Zitadelle eine Veranstaltung zum Thema „Zwangsarbeit in Spandau“ geben. U.a. dabei: Christine Glauning, Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, Gabriele Helbig, Leiterin des Museums und der Galerie FalkenseeUwe Hofschläger, Jugendgeschichtswerkstatt Spandau

Es geht um 90 Orte von Staaken bis Siemensstadt, von Kladow bis Hakenfelde. „Das Stadtgeschichtliche Museum Spandau, das Dokumenationzentrum für NS-Zwangsarbeit und natürlich die Spandauer Jugendgeschichtswerkstatt wollen die Forschung voranbringen“, so Evert. Und: Die Diskussion wird zeigen, dass auch das Umland in das Berliner Zwangsarbeitssystem integriert war – zum Beispiel die Gemeinde Falkensee.

Die Debatte kann aktueller nicht sein. Schließlich drehte sich hier in den letzten Monaten so vieles um Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Carossa-Quartier an der Streitstraße in Hakenfelde. Im Luftfahrtgerätewerk von Siemens arbeiteten Frauen wie Elisa Gérard, die 2011 erstmals mit Deutschen über ihre Geschichte sprach.

„Ziel ist es, eine Art Auftaktveranstaltung hier zu machen, um über den Forschungsstand zu informieren und mit den Spandauerinnen und Spandauern darüber ins Gespräch zu kommen, wie ein zukünftiges Gedenken aussehen könnte“, erzählte mir Evert.

Auch zur lehrreichen Debatte um Hans Carossa hat sie eine klare Meinung. „Persönlich bin ich der Meinung, dass sowohl das Quartier als auch die Straße problemlos umbenannt werden können“, so die Militärhistorikerin. „Hans Carossa hat eine typisch deutsche, sehr widersprüchliche 20.-Jahrhundert-Biographie, also weder nur gut, noch nur böse, aber definitiv ohne Bezug zu Spandau.“

„Wie das Carossa-Gymnasium das macht, finde ich einfach großartig: den Umbenennungsprozess als kreative politische Bildung im Sinne der Schülerinnen und Schüler zu nutzen“, sagte Evert. Im Sommer wird die Kladower Schule um Henning Rußbült den neuen Namen verkünden. Ob es wohl eine angesehene Frau aus Berlin wird?

  • Lesetipp: Eine Übersicht mit den Spandauer Orten, in denen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter tätig waren – www.ns-zwangsarbeit.de/recherche/lagerdatenbank
  • „Zwangsarbeit vor unserer Haustür“: Die 12 Veranstaltungen in Berlin – www.ns-zwangsarbeit.de
  • Wie soll die Hans-Carossa-Schule denn heißen, Herr Schulleiter? Im Tagesspiegel spricht der Schulleiter über die Hans-Carossa-Schule, den Namensgeber, erste Ideen und kaputte Fenster.
  • Wer ist die neue Bürgerinitiative aus Hakenfelde? „Nichts in Berlin-Spandau nach Hans Carossa benennen“ – hier das Tagesspiegel-Portrait.

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