Kultur

Denkmal vorm Rathaus: Geschichtsunterricht für die AfD

Veröffentlicht am 22.01.2024 von André Görke

In Spandau stand vorm Rathaus mal ein hölzernes Denkmal mit Stacheldraht und den Jahreszahlen 1945 bis 1952, darunter die Worte „Vergesst uns nicht“. „Schwurhand“ nannte sich das Denkmal. Worum ging’s? Erinnert wurde so an die Nazi-Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft in Russland geraten waren und nicht vergessen werden sollten. Wo das Denkmal geblieben sei, wollte jetzt Andreas Otti, AfD, im Rathaus wissen. Da war er bei Kulturstadträtin Carola Brückner, SPD, genau richtig. Die wollte eh mal Lehrerin werden, hat Geschichte studiert und gab dem interessierten AfD-Politiker fix Geschichtsunterricht.

„Mitgliedern der BVV wird ein Besuch der bezirkseigenen Museen empfohlen“, so Brückner zu Otti und meint die Zitadelle, die nur zwei U-Bahnstationen entfernt ist. „Das Denkmal wird in der Dauerausstellung ‚Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler‘ in einer Medienstation und im Katalog zur Ausstellung vorgestellt.“ Auch online seien Informationen zu finden, zum Beispiel in der lohnenswerten Ausstellung zur Spandauer Geschichte auf www.zitadelle-berlin.de.

1960 wurde die Entfernung des Denkmals vom Rathausvorplatz beschlossen – „aufgrund von Tiefbauarbeiten“, so Brückner. Das Denkmal wurde 1961 in der Zitadelle eingelagert. Nach langer Debatte habe das Bezirksamt 1964 beschlossen, das Denkmal im Bereich der Zitadelle wieder aufzubauen. „Dies wurde allerdings nie umgesetzt, denn es folgten Diskussionen zwischen dem Verband der Heimkehrer und dem Bezirksamt Spandau über einen idealen Standort. Das Bezirksamt kam zu dem Entschluss, dass ‚die Wiederherstellung des alten Mahnmals nicht nur unverhältnismäßig teuer ist, sondern dass es in seiner Thematik auch überholt ist'“, zitiert Brückner aus den alten Unterlagen. Das Mahnmal ist sowieso verrottet: Es war aus Holz.

„2025 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal und es ist bereits ein breites Programm auf der Zitadelle und im Bezirk mit Ausstellungen und Veranstaltungen zu dieser wichtigen Thematik geplant, beispielsweise mit einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit dem Spandauer Kriegsverbrechergefängnis“, erzählte Brückner dem AfD-Politiker. Bereits zuvor hatte die Museumschefin der Zitadelle, Urte Evert, hier im Tagesspiegel angekündigt: „2025 widmen wir uns dem abgerissenen Kriegsverbrechergefängnis.“ – Q: Kleine Anfrage Nr. 327

  • Immer wieder lehrreich und faszinierend ist das Bildarchiv der Zitadelle. Ob Gartenstadt Staaken, Glühwürmchenweg, Falkenhagener Feld oder Südekumzeile: Es sind faszinierende Schwarz-Weiß-Fotos von den Anfängen in den bekannten Spandauer Siedlungen. Hier geht es zur digitalen Zeitreise: www.zitadelle-berlin.de