Macher

Krach um den X34, Folge 2+3

Veröffentlicht am 05.12.2017

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) hat einen Brief von Kai Wegner, CDU, auf dem Tisch liegen. Inhalt: der Krach um den BVG-Schnellbus X34 durch die enge Landstadt Gatow. Der Doppeldecker (Bahnhof-Zoo – Kladow) soll ab Montag die Oberschule anfahren. Bisherige Distanz zur Haltestelle für die Schüler: gute 3 Minuten Fußweg. Der neuen Bus X34 kurvt stattdessen von 5 bis 21 Uhr durch die schmalen Straßen des Wohngebiets.

Die extra sanierte Wendeschleife (neuer Asphalt, neuer Radweg, neuer Bürgersteig – Foto) am breiten Ritterfelddamm nebenan ist nämlich laut BVG zu klein für so einen großen Bus – der im Gegenzug aber klein genug sein soll fürs Wohngebiet. „Ein Schildbürgerstreich“, schimpft Wegner. Detail am Rande: Der neue Schnellbus X34 braucht 51 Minuten zum Zoo – der bisherige Fahrzeit mit Umsteigen am S-Bahnhof Spandau beträgt 49 Minuten.

Alternativrouten werden geprüft. Den CDU-Politiker hatten Anwohner – die nicht den Bus, sondern die Route kritisieren – um Hilfe gebeten. Wegner: „Das ist Planung ohne Ortskenntnis.“ Kai Wegner schlug zwei Alternativrouten vor. Der Bus soll nicht durch Seitenstraßen rollen, sondern – wie Schulbusse auch – die Straße Am Flugplatz Gatow bis zur Schule nutzen. Oder die Schleife über die Potsdamer Chaussee fahren. Erste Reaktion aus dem Büro von Kai Wegner am heutigen Dienstag: „Das Büro der Senatorin hat uns mitgeteilt, dass vor dem 18. Dezember nicht mit einer Antwort zu rechnen ist, da die Vorschläge von Wegner geprüft werden müssen.“

200 Protest-Unterschriften von Anwohnern. Der BVG-Doppeldecker rollt also durch den Kiez. Pikant: Die neuen BVG-Haltestellen werden erst noch gebaut – was bezeichnend ist für die Planung. „Lieber Frank, kann das geändert werden?“, fragt daher Swen Schulz, SPD, an Frank Bewig von der CDU.

24 Halteverbotsschilder. Anwohner grübelten tagelang, wie das schwere Ding an den Autos vorbeikommen sollte (die sie wegen der Raser eh oft versetzt parken) und was so ein schwerer Doppeldecker überhaupt zwischen den Spielstraßen … zur Erinnerung: Im Sommer hatten Anwohner eine Verkehrsberuhigung gefordert. Vergeblich. „Jetzt haben die hier überall Parkverbotsschilder aufgestellt“, schimpfen Anwohner. „Damit ist die Straße frei – jetzt rasen hier alle durch.“ 24 Halteverbotsschilder wurden aufgestellt – damit haben die Behörden genug Platz geschaffen.

„Alle waren beteiligt“- und die Anwohner?  Bemerkenswert ist übrigens auch ein BVG-Schreiben von Gerd Freitag („BVG Vorstandsstab Politik & Gremien“) an Schulz, das einiges aussagt über das Kommunikationsverständnis der BVG: Alle waren sich einig („BVG, VLB, LABO, Bezirk, Senat“) – „die Bürger“ sollten das Angebot „schätzen lernen“. Und was meinen die Bürger? 200 Anwohner haben am Dienstag via Kai Wegner einen Protestbrief an die Senatorin geschrieben. – Die neue Route: BVG-Karte