Namen & Neues

"Überall Scherben": Wutbrief einer Hundehalterin

Veröffentlicht am 12.02.2019 von André Görke

„Morgen wird mein Hund zum zweiten Mal in Vollnarkose gelegt, weil er in eine Glasscherbe getreten ist, die herausoperiert werden muss.“ So beginnt ein emotionaler Leserbrief an den Spandau-Newsletter von Gabriele Bärtels, die mit ihrem Tier gern nahe der Scharfen Lanke in Wilhelmstadt unterwegs ist. „Das erste Mal letztes Jahr war schlimmer: An einem gezackten Flaschenboden, der aufrecht in tiefem Sand steckte, durchtrennte sie sich eine Beugesehne und musste wochenlang auf drei Beinen laufen, weil das vierte geschient war. Jeden zweiten Tag trug ich sie zum Verbandswechsel. Es war heiß, mein Hund konnte nicht toben.“ Seitdem sehe sie die leeren Flaschen in den Parks und Grünanlagen überall. „Spitze Flaschenhälse ragen aus dem feuchten Laub, und ich muss mich nur bücken und meine Augen scharf stellen, dann entdecke ich am Hang unterhalb der Haveldüne alle Meter splitternde Scherben in der Erde, manchmal haben Wildschweine sie herausgewühlt. Oben, wo es die herrliche Aussicht gibt, stehen Parkbänke, auf denen viel gefeiert wird. Der Hund, mit dem wir immer spielen, hat jetzt schon den vierten Schnitt in der Pfote und darf zwei Wochen lang nur zum Pinkeln raus.
Jetzt für alle, denen das egal ist, weil sie keine Hunde mögen: Auch Katzen, Füchse, Dachse, Marder, Waschbären und was weiß ich welche Kreaturen noch in Grünanlagen und auf Brachflächen herumstreifen, latschen in diese Glasscherben, mit dem Unterschied, dass sie nicht zum Tierarzt gehen können. Weil die offene Wunde im Dreck herumschleift, wird sie sich schnell entzünden.“

„Warum feuert ihr eure Glasflaschen in die Natur?“ Am Havelstrand sehe sie Champagner-, Bier-, und Weinflaschen, die von den Wellen ans Ufer gespült werden und dort zerschellen. Gefährlich auch für alle Badegäste: „Wenn die Seerosen blühen, sieht man die lauernde Gefahr nicht. Auch über die scharfen Tretminen unter Gebüsch und im Rasen wächst Gras.“ Ihr Frage: „Was sind das für Menschen, die zu Wasser und zu Land flanieren und ihren Glasabfall in die von ihnen verherrlichte Natur feuern? Ich komme mir schon vor wie eine schrullige Hexe, weil ich beim Gassigehen fast immer dreckige Flaschen mit nach Hause nehme, denn Mülleimer gibt es in unserem Park nicht, der zugleich eine öffentliche Badewiese ist. Die Leute, die mir begegnen, müssen denken, sie hätten es mit einer Säuferin zu tun.“ Ihre Wut formuliert sie so: „Ihr seid erschreckend viele, Ihr rücksichtslosen Egoisten, und nicht wenige unter Euch werden strikt gegen Plastikmüll im Bauch eines Walfisches sein. Was ist dagegen die Sauberhaltung einer popeligen Grünanlage in der eigenen Stadt? Wenn ich jemals einen von Euch zu fassen kriege, jage ich ihn barfuß durch so eine Brachfläche!“ Gut, den letzten Satz ignorieren wir jetzt alle mal milde – aber Frage in die Newsletter-Runde: Wo ist es besonders schlimm? Erfahrungsberichte bitte an spandau@tagesspiegel.de

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Diesen Text haben wir dem neuen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel entnommen. Kostenlos bestellen, komplett lesen unter leute.tagesspiegel.de.

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