Namen & Neues

Letzte Würde: Spandau möchte an arme Tote erinnern

Veröffentlicht am 19.02.2019 von André Görke

Es geht um die letzte Würde. Werden in Spandau verarmte Menschen vom Staat beigesetzt, bekommen sie einen Plastikpfahl in die Erde gerammt – das war’s. Keine Trauerfeier, Akte zu, Leben tot. Das nennt sich „ordnungsbehördliche Bestattung“. Gesundheitsstadtrat Frank Bewig, CDU, hatte für den Spandau-Newsletter 01/18 die Zahlen rausgesucht:  „2017 wurden für Spandau 176 ordnungsbehördiche Bestattungen durchgeführt. Im Jahr 2018 waren es 140.“ Als wir Bürgermeister Helmut Kleebank, SPD, erzählten, dass der Nachbarbezirk Reinickendorf eine rührende Trauerfeier mit Stadtrat, Kirche und Bürger organisiert hatte, sagte der: „eine sehr anständige Aktion“. Jetzt ist die Debatte auch in Spandau da – als Antrag für die nächste BVV (27. Februar, 17 Uhr, Rathaus). Mal hören, wie die Politik darüber diskutiert.

„Öffentliche Trauerfeier einmal pro Jahr“. Im gemeinsamen Antrag von Christian Haß, SPD, Lars Leschewitz, Linke, Gollaleh Ahmadi und Oliver Gellert, Grüne, steht: „Das Bezirksamt wird beauftragt, sich für eine jährlich stattfindende öffentliche Trauerfeier einzusetzen, bei der allen ordnungsbehördlich bestatteten Spandauern und Spandauerinnen eines Jahres gedacht wird.“ Und weiter: „Eine vom Bezirksamt initiierte öffentliche Trauerfeier könnte auch diesen Bürgern und Bürgerinnen im Angesicht des Todes einen respektvollen Rückblick auf ihr Leben ermöglichen. So wäre sichergestellt, dass ein würdevoller, menschlicher Abschied aus dieser Welt keine Frage des Geldbeutels ist.“ Eingebunden werden sollten Kirchen, Verbände, Bürger. „Als Vorbild zu solch einer Trauerfeier könnte eben jene nicht religiöse Gedenkveranstaltung aus Reinickendorf dienen. – Der Antrag: Drucksache Nr. 1183 André Görke
+++
Diesen Text haben wir dem neuen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel entnommen, mit dem wir Sie einmal pro Woche gebündelt und kompakt informieren. Den Spandau-Newsletter können Sie komplett und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de.

Anzeige