Namen & Neues

Klinik-Campus für 3000 Leute: Charité will nach Spandau

Veröffentlicht am 09.04.2019 von André Görke

Ein Knaller, was da in den Alexander-Barracks in Berlin-Spandau erzählt wird: Die Charité sucht einen Standort für den Klinik-Campus (3000 Auszubildende) und schielt in die Neustadt. Die Kurzgeschichte geht so: Das große Vivantes-Klinikum dort (Bj. 1985) bekommt im Sommer ein neues Bettenhaus, ächzt aber: „Alles viel zu eng hier“. Auf der anderen Straßenseite wäre Platz – da steht die alte Briten-Kaserne zwischen Neuendorfer, Schönwalder, Askanierring und Neuer Bergstraße (hier eine Satellitenaufnahme). Dort könnte ein Ärztezentrum entstehen, ein Bettenhaus fürs Personal sowie ein Parkhaus. Und wenn die Handwerker schon mal anrücken, könnten die ja noch drei Wände mehr verrücken: Dort soll nämlich die neue Charité-Akademie für 3000 Pfleger hin. Das Interesse hat jetzt Staatssekretär Steffen Krach, SPD, offiziell angemeldet. Hannes Heine, Charité-Experte beim Tagesspiegel, fragte für den Spandau-Newsletter bei Staatssekretär Krach nach. Und der sagt so klar und deutlich wie nie zuvor: „Der gemeinsame Ausbildungscampus von Charité und Vivantes ist ein erster Schritt zur Umsetzung der Empfehlungen für die Gesundheitsstadt 2030. Dafür ist Spandau als Standort eine tolle Lösung. Zusammen mit den Plänen für Siemensstadt und dem benachbarten TXL Campus entsteht hier ein richtiger Hotspot für Bildung, Wissenschaft und Innovation.“ Hoppla! Haben Sie so was schon mal über Spandau gelesen?

„Der Abriss beginnt nicht morgen“. Bleiben wir kurz bei der Machbarkeitsstudie zur alten Kaserne am Askanierring. Stadtrat Frank Bewig, CDU, betont: „Das Krankenhaus ist wichtig für den Bezirk und soll sich weiterentwickeln können.“ Aber: „Da wird morgen noch nicht alles abgerissen.“ Die Studie soll erst mal Ideen und alle Pläne zeigen. Auch zwei Schulen und eine Kita sind geplant. Platz wäre für 2000 Wohnungen, „aber das bleibt ein Gewerbestandort“, sagt Bewig. Im Frühjahr hatte er schon betont: „Mir ist wichtig, dass die Schlosser dort nicht einfach so verdrängt werden. Handwerker gehören auch zur Infrastruktur eines Bezirks.“ Auch das Rote Kreuz soll Interesse angedeutet haben – die DRK-Lackiererei befindet sich noch in Kladow. Durch die Campus-Idee würde das Tempo steigen und die Neustadt aufwerten. Es wäre das nächste Mega-Projekt für Spandau nach Siemens-Campus (600 Mio) und Bundespolizei-Basis. Die entsteht 2021 für 300 Millionen Euro in der Ex-Briten-Kaserne in Wilhelmstadt. War schon mal weniger los in Spandau, oder?

Und was passiert mit dem jüdischen Friedhof? Gegenüber dem Krankenhaus an der Bergstraße befindet sich eine Brache – der ehemalige jüdische Friedhof. Die Gräber wurden 1939 auf den jüdischen Friedhof in Weißensee umgebettet. „Der Ort ist aber für immer geweiht“, sagte Carl Herwarth von Bittenfeld bei der Präsentation seiner Machbarkeitsstudie im Rathaus. Daraus könnte ein Rückzugsort auf dem Klinik-Campus werden. Benannt ist die Kaserne übrigens nach Feldmarschall Harold Alexander. Bis 1994 saßen dort die Briten mit ihrem “Royal Corps of Transport”, später zogen Firmen dort hin, das THW, aber auch die Depots von Bundestag und DHM, dem Deutschem Historischen Museum. In den 90er Jahren entstand dort das ulkige Stadion für den Spandauer SV, der da in der dritten Liga kickte, ehe er vor fünf Jahren leider pleite ging. Wird der SSV etwa auch wiederbelebt? Nee, das schaffen nicht mal die Charité-Chefärzte. Am SSV-Vereinscasino (Foto) soll die Volkshochschule Interesse zeigen. – André Görke
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Diese Nachricht haben wir dem neuen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel entnommen. Den Spandau-Newsletter können Sie kostenlos und unkompliziert bestellen unter https://leute.tagesspiegel.de

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