Namen & Neues

Heidi Hetzer und die letzte Ruhe in Gatow

Veröffentlicht am 14.05.2019 von André Görke

Ihr Grab befindet sich auf dem kleinen Friedhof in Berlin-Gatow, gut zu erkennen am Blumenschmuck mit der Schleife „Die schnellste Frau Berlins“. Klar, es geht um Heidi Hetzer. Die Opel-Händlerin, Rallyefahrerin, Berliner Unikat ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Der große Gottesdienst fand in der City West statt, aber die letzte Ruhe fand sie draußen in Gatow – „dem schönsten Ort Berlins“, wie es Hetzer mal formulierte. RBB-Legende Ulli Zelle, der in Gatow gleich um die Ecke wohnt, hat hier ein Foto vom Friedhof gemacht („Heidi Hetzer an der letzten Ziellinie“).

Und was verband sie mit Gatow? Hier ein gekürzter Blick in ihr Buch „ungebremst leben“ (2018): „Ich war sechs Jahre alt. Als es Luftalarm gab, mussten wir in die Bombenkeller. Als wir herauskamen, standen auch wir vor einem zerbombten Haus. Unsere Wohnung lag in Schutt und Asche. Damals zogen wir in unser Sommerhaus in Gatow. Das hat heute noch einen fast dörflichen Charakter, damals kam es uns so vor, als zögen wir aufs Land. Es gab dort Natur, Bauern, Felder, Pferde. Eine wunderschöne Welt im Gegensatz zum zerschossenen Berlin, wo es nach Staub roch und die Menschen wie dunkle Geister durch die Straßen und Ruinen liefen. In Gatow half man sich gegenseitig, daran kann ich mich auch heute noch gut erinnern. Die Bauern hatten Kartoffeln, Vati hat irgendwelche Autoteile und half, den Traktor wieder in Gang zu bringen.“ Erst fünf Jahre später zog die Familie zurück in die Stadt, zur Deutschen Oper. Gatow blieb im Herzen. André Görke
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Berlin-Gatow in Bildern: Hier unsere Tagesspiegel-Fotostrecke.

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