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Frust am Sacrower See (I): Keine Klos, keine Pommes, keine Parkplätze

Veröffentlicht am 11.06.2019 von André Görke

Hitze, 30 Grad – und schlechte Luft am Sacrower See. Der Badesee liegt knapp hinter Berlin-Spandau, ist uns aber eng verbunden (unterirdisch mit dem Glienicker See in Berlin-Kladow). Am Strand des Potsdamer Sees tummeln sich ohne Ende Berliner Tages-Touristen. Und die ärgern sich: Der Weg über über das Restaurant-Gelände ist plötzlich gesperrt, die Pommesbude dicht. Wer mal kurz aufs Klo will, muss ins pieksige Gebüsch. Warum schotten die sich plötzlich ab?

Frust am Sacrower See (II): „Wir sind ein Restaurant, keine Badeanstalt.“ Anruf bei Slavisa Suvajac. Er arbeitet seit 2012 im bekannten Restaurant „Landleben“, ist dort Geschäftsführer. „Der See ist wunderschön, das stimmt. Ich will auch keinen Ärger mit Badegästen, aber es ging nicht mehr so weiter“, sagte er jetzt dem Spandau-Newsletter. „Mich ärgert es, als Buhmann dazustehen, aber wir sind nicht die Badeanstalt für die Stadt Potsdam. Wir haben den Parkplatz gesperrt, die Terrasse auch. Wissen Sie, wie sich die Hände unserer Kellner anfühlen, wenn Sie drei heiße Teller in der Hand haben und plötzlich ganz langsam ein fünf Meter langes Kanu über die Terrasse getragen wird? Wenn sie ein Restaurant sind und Badegäste mit Schlamm an den Füßen zum Klo durchdrängeln? Wenn meine Gäste nicht mehr auf meinem Parkplatz halten können, weil Badegäste dort seit 10 Uhr den ganzen Tag ihr Auto abstellen? Soll ich einen Parkwächter bezahlen? Gratis meine Toiletten freigeben? Wir sind nicht an die Kanalisation angeschlossen, weil das hier ein Naturschutzgebiet ist – wir müssen ständig mit Lkws abpumpen, auf unsere Kosten.“

Frust am Sacrower See (III): „Überall Müll am Strand“. Der Frust sitzt tief. Slavisa Suvajac, Chef im Landleben, erzählt: „Nirgendwo gibt es Mülleimer am Sacrower See, nirgendwo Klos, nirgendwo Parkplätze – am gesamten acht Kilometer langen Uferweg. Und manche Badegäste können sich leider auch nicht benehmen: Die grillen im Wald, lassen ihren Dreck einfach am Strand liegen. Zwei Schubkarren Müll musste ich letzten Sommer entfernen – Tag für Tag. Das kostet Zeit und Geld. Mit all diesen Problemen kann die Stadt mich nicht allein lassen. Ich habe im Sommer 20 Leute im Einsatz, die müssen ihr Gehalt bekommen.“ Fortsetzung folgt. – P.S.: Die Pommesbude soll wieder öffnen. Und Badegäste verraten einen kessen Trick, um die Klos im Restaurant zu nutzen – einfach etwas anziehen und freundlich fragen. Hat zumindest neulich funktioniert. Den Müll kann jeder selbst wieder mitnehmen. Der ist ja auch irgendwie dahingekommen. – André Görke
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Diese Nachricht haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau entnommen. Den kompletten Spandau-Newsletter, den wir Ihnen kompakt einmal pro Woche mailen, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen
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