Namen & Neues

Zoff um Regenbogenflagge

Veröffentlicht am 02.07.2019 von André Görke

Zoff in Berlin um Regenbogenflagge. Am 4. Juli wird am Rathaus von Berlin-Spandau die Regenbogenflagge gehisst, tief im Westen der Stadt. Als Erinnerung an den Kampf für die Gleichberechtigung Homosexueller, der vor 50 Jahren begann. Ein wichtiger Akt, der allerdings jetzt in den Hintergrund gerückt ist. Der Fall ist kniffelig, besteht aus zwei Sichtweisen und im Mittelpunkt steht Spandaus neue Gleichstellungsbeauftragte. Ihr Name: Juliane Fischer, 35, Portrait hier. Zur Flaggenhissung wollte der stets sehr engagierte Jörg Steinert nach Spandau kommen, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes. Der hatte sich zuvor mit dem schwulen US-Botschafter Richard Grenell fotografieren lassen, der die Werte von Donald Trump vertritt, die wiederum in LGBTI-Kreisen schwer umstritten sind. Es gab daher Irritationen und Verärgerung über dieses Bild. Andere haben sich für ein ähnliches Foto mit Grenell sogar entschuldigt – hier ein Beispiel aus dem Magazin „Siegessäule“. Spandaus Gleichstellungsbeauftragte Fischer fragte Steinert also nach dem Bild, weil andere das nicht gut fanden. Der fühlte sich zu Unrecht in die Ecke getrieben und tischte die Mail dem „BZ“-Kolumnisten Gunnar Schupelius auf, der sein Handwerk versteht, aber als Diplomat eher so lala ankäme. Folge: dieser Text. Steinert sagte verärgert dem Tagesspiegel: „Einen Gesinnungstest in Spandau mache ich nicht“.

Jetzt steht Frau Fischer schwer in der Kritik. Sie wird am Telefon von Fremden angeblökt und lernt ganz viel über Politik und Kommunikation. Offiziell äußern darf sie sich nicht. Denn: Personalchef (und Kommunikationsprofi) Helmut Kleebank ist im Urlaub. Und die Rathaussprecherin ist verhindert. Der Streit bleibt spannend: Die AfD um Wolfgang Werner hat aus dem Fall prompt einen schriftlichen Vorgang im Rathaus gemacht. (Drucksache Nr. 376).

Schwusos distanzieren sich – und planen CSD in Spandau. Jeder hat in dieser Geschichte um eine missglückte Mail seine Sichtweise. Die Schwusos der SPD sehen es so: „Wir bleiben der diesjährigen Flaggenhissung in Spandau fern. Wie von der dort verantwortlichen Frauenbeauftragten mit dem LSVD und ihrem Geschäftsführer als langjährige Partner für die Rechte von LGBTI Menschen umgegangen wurde, ist nicht unser Verständnis von Akzeptanz und Toleranz“, heißt es in einer Erklärung. Und ein Blick nach vorn: „Die Schwusos Spandau werden versuchen, mit dem LSVD und vielen anderen Vereinen einen regionalen CSD in Spandau zu organisieren.“ Wann? Am 28. Juni 2020, also nächstes Jahr. – Den LGBTI-Newsletter vom Tagesspiegel gibt es hier: Queerspiegel

+++Update+++: Scharfe Kritik an Steinert. Kurz nach Versenden des Spandau-Newsletter hat sich Alfonso Pantisano aus dem Bundesvorstand des LSVD deutlich auf Facebook geäußert. Die Kritik erreicht uns über den Queerspiegel. Darin distanziert er sich vom Berliner Geschäftsführer. „Jörg Steinert hat die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Spandau in die Hände von Hetzern übergeben und er hat die Kooperation mit dem Bündnis gegen Homophobie für seine persönlichen PR-Zwecke missbraucht.“ Er habe eine „rote Linie“ überschritten. Und persönlich an Steinert: „Ja, Du darfst Dich gerne mit dem aktuellen amerikanischen Botschafter treffen und Dich mit ihm fotografieren lassen: Nebeneinander, von mir aus gerne lächelnd und händeschüttelnd. Aber nicht fraternisierend und indem Du dich von ihm in Arm nehmen lässt. Schon gar nicht bei einem offiziellen Anlass oder mit dem Logo des LSVD im Hintergrund.“

Und wann wird die Regenbogenflagge nun gehisst? Am Donnerstag, 4. Juli, 12.30 Uhr. Zur Unterstützung kommt Gerhard Hanke, CDU, zum Flaggen-Hissen vors Rathaus. P.S.: Mehr Details zu neuen LGBTI-Projekten im Rathaus – hier der Link. – Text: André Görke
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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau entnommen. Den kompletten Spandau-Newsletter, den wir Ihnen einmal pro Woche schicken, können Sie unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de