Namen & Neues

"Wir stellen Unmut fest": Spandau und der Fahrrad-Frust

Veröffentlicht am 26.11.2019 von André Görke

„Wir stellen Unmut fest“: Spandau und der Fahrrad-Frust. Neulich im Rathaus von Berlin-Spandau, 2. Stock. Im Verkehrsausschuss stellten sich die Fahrradplaner von „Infravelo“ im Auftrag des Senats vor. Freundliche Leute, leider kamen sie mit null Neuigkeiten im Gepäck nach Spandau – prompt gab’s Gemecker. Der Frust ist groß, weil seit einer Ewigkeit ein Fahrradparkhaus am Bahnhof gefordert wird und nur geprüft, geprüft, geprüft wird. Erinnert sei an den Senatsbrief an Swen Schulz, SPD („Fahrradstellplätze in Spandau: 580 – geschätzter Bedarf: 1900“). Weil es wieder keine Neuigkeiten gab, flog Beate Christ, CDU, kurz mal der Fahrradhelm vom Kopf: „Ich kann doch nur Fahrrad fahren, wenn ich mein Fahrrad auch irgendwo sicher am Bahnhof abstellen kann.“ Stadtrat Frank Bewig, CDU, zischte: „Wir werden nur als Außenbezirk wahrgenommen. Ein Fahrradparkhaus kann ein Schlüssel zum Umsteigen sein.“ Und Burgunde Grosse, SPD, meinte: „Meine Tochter wohnt in Belgien. Die haben dort Fahrradschnellwege, aber auch Kabinen für ihre Fahrräder – da klappt das.“ Schlusswort der Infravelo um Verkehrssenatorin Regine Günther, Grüne: „Wir stellen viel Unmut in Spandau fest. Wir nehmen das Thema Abstellanlagen noch mal mit.“ Allgemeines Nicken. Ja, bitte!

Und so sieht das jeden Morgen am Pendler-Bahnhof Spandau aus. Volle Fahrradabstell-Anlagen, morgens um 6 Uhr, jeden Tag. Und das im nasskalten Herbst.

Der Bahnhof Spandau ist die Drehscheibe im Berliner Westen und extrem wichtig für Pendler. Viele steigen hier vom Rad in die Regionalbahn oder S-Bahn um. Nebenan halten zudem so viele BVG-Busse wie sonst nirgends in Berlin. Hier ein Foto vom Rathausturm im November.

Und hier die aktuelle Verkehrsstatistik. So sind die Spandauer unterwegs im Vergleich zu den Innenstädtern. Q: Infravelo

  • Autofahrer: 44 % in Spandau – 17 % innerhalb des S-Bahnrings
  • Fußgänger: 26 % in Spandau – 35 % innerhalb des S-Bahnrings
  • Bus und Bahn: 22 % in Spandau – 29 % innerhalb des S-Bahnrings
  • Fahrrad: 8 % in Spandau – 18 % innerhalb des S-Bahnrings

Letzte Meldung: Baby bremst Spandauer Fahrradoffensive aus. Neulich gab’s hier noch Applaus: im Herbst hatte Spandau endlich zwei Radverkehrs-Planer gefunden. Läppische zwei Monate später ist das Geschrei bei Stadtrat Frank Bewig, CDU, schon wieder groß – allerdings nicht im Büro, sondern im Kinderzimmer: „Durch Elternzeit ist die Stelle der Radverkehrsbauleiterin derzeit nicht besetzt.“ Tja, Glück und Pech liegen dicht beieinander. Die Ausschreibung beginnt von vorn. – Quelle: schriftl. Anfrage Kristian Ronneburg, Linke – Text: André Görke

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