Namen & Neues
Forellenhof Roter: Die Abrissbagger sind da
Veröffentlicht am 05.05.2020 von André Görke

„Forellenhof Roter“: Die Abrissbagger sind da. Dieser Laden war ein West-Berliner Klassiker: „Forellenhof Roter“. Der existierte seit 1963 an der Wilhelmstraße kurz vor den Rieselfeldern. Links Lauben, rechts Wohnhäuser, dazwischen drei plätschernde Wasserbecken mit Fischen. Und dahinter gab’s frische Ware im Imbiss „Forellen-Stübchen“. Mahlzeit. Doch nach 60 Jahren ist Schluss. Die Fisch-Becken sind eh schon lange leer und verrotten unter den hohen Bäumen. Jetzt sind dort schwere Bagger im Einsatz und reißen die Becken raus – hier ein aktuelles Foto vom Wochenende. Was dort entsteht? Der Bezirk plant einen Weg, der am Graben entlang raus zum Hahneberg führt.
Viele Anwohner finden den Plan aber nicht gut. Als der Bezirk mal zum Info-Abend lud, gab’s offenbar 0 Befürworter – das geht so aus dem Protokoll hervor. Dafür schimpften 150 Nachbarn aus den Reihenhäusern und Lauben nebenan. Bislang liegen ihre Gärten nämlich an diesem stillen, verwilderten „Abfanggraben“. Haben Sie nie bemerkt? Kein Wunder, aber hier ist eine Luftaufnahme. Dort soll in den nächsten Jahren ein öffentlicher Grünzug gebaut werden. Aber für wen? Und warum? Weil es Fördergeld vom Bund gibt, um den Heerstraßen-Kiez mit mehr Grün aufzuwerten.
Anwohner fürchten nun logischerweise um ihr Idyll (Licht, Einbrecher, Unruhe), während die anderen die Gegend aufwerten wollen (Schulweg). Im Sommer 2020 soll die Machbarkeitsstudie fertig werden. Etwas special: Schlappe 150 Meter weiter entsteht ein weiterer Fuß- und Radweg zum Hahneberg. Der verläuft parallel, wird aber nicht vom Bund, sondern vom Land bezahlt.
Hier finden Sie alle Zeichnungen und Fotos in der Bezirks-Akte. Für beide Wege schicken mir die Ämter bald die Zeitpläne – mal sehen, wie schnell die Büros von Frank Bewig, CDU, und Senatorin Regine Günther, Grüne, die Anfrage des Tagesspiegel beantworten.

Auf seiner eigenen Rathaus-Internetseite wählte das Bezirksamt kurz nach Veröffentlichung des Spandau-Newsletters folgende Formulierung: Man stehe „in engem Kontakt mit den unmittelbar betroffenen Anliegern“. Derzeit sei der „gesamte Grabenabschnitt beidseitig nicht öffentlich zugänglich“. Die Teichanlagen seien im Sommer 2018 an das Bezirksamt zurückgegeben worden. Auch ein Blumenhandel habe sich zwischendurch versucht. Der Abriss werde „voraussichtlich zwei Monate“ dauern. Damit werde „die grundlegende Voraussetzung für eine spätere Öffnung des Geländes für die Allgemeinheit und die öffentliche Erholungsnutzung geschaffen.“ Auch hier werden keine Angaben gemacht, welche zeitlichen Schritte nun konkret anstehen. – Text: André Görke
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