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Ärger um Sandstürme an der Havel

Veröffentlicht am 02.06.2020 von André Görke

Ärger um Sandstürme an der Havel. Am Havelufer in Berlin-Spandau befindet sich eine der größten Baustellen im Westen der Stadt. Für 300 Mio baut die Buwog ein neues Stadtquartier für 1500 Leute. Wo? Neben der Brücke nach Eiswerder, rund um die alten Speicher an der Havel (einer wird noch dieses Jahr abgerissen). Bis 2023 entstehen am Fluss 630 Wohnungen. Projektname: „Speicherballett“. Seit Wochen kurven dort Lastwagen durch die Sandwüste – und der Staub wird zum Problem.

„Anwohner haben sich über starke Staubentwicklung und fehlende Schutzeinrichtungen beschwert“, berichten zwei Abgeordnete der SPD. Die Beschwerden werden jetzt sogar Thema für den Senat im Abgeordnetenhaus. Und auch die Buwog reagiert heute konkret auf die Kritik, dazu gleich mehr hier im Spandau-Newsletter.

„Nachdem mich Bürger auf das Problem ansprachen, habe ich mich in der letzten Woche vor Ort umgeschaut und tatsächlich viel Baustaub gesehen, der sich ungehindert am ganzen Ufer bis hin zur Insel Eiswerder ausgebreitet hat“, berichtet SPD-Politikerin Bettina Domer. Ihre Ansage: „Staubvermeidung ist eine gesetzliche Bauherrenpflicht, um Bürger und die Umwelt zu schützen.“ Das Büro von Umweltsenatorin Regine Günther, Grüne, muss die Baustelle am Havelufer überprüfen.

„Die Beeinträchtigungen durch Staub und Dreck sind für die Anwohnerschaft wirklich massiv“, schimpft auch Daniel Buchholz, ebenfalls SPD, und fordert: „Das muss abgestellt werden. Ganz offensichtlich gibt es keinen wirksamen Staubschutz bei den Abbrucharbeiten, denn große Staubwolken werden über die gesamte Havel geweht.“ Seine Sorge: „Da die Zusammensetzung der alten Baustoffe unbekannt ist, besteht eine potenzielle Gefahr – für die Bauarbeiter, die Anwohner und die Umwelt. Die Buwog-Gruppe ist hier gefordert.“

Pfingsten hin oder her, die Buwog hat sich überraschend schnell bei mir gemeldet.

„Wir befeuchten jetzt Wege, stellen Container auf, reinigen das Havel-Ufer.“ Aus der Buwog-Zentrale meldete sich am Wochenende Michael Divé bei mir. Er ist Deutschland-Sprecher für den österreichischen Konzern. „Seit Beginn der Baumaßnahmen im Sommer 2017 gestalten wir die Baustelle so, dass Lärm- und Staubbelastung bestmöglich minimiert werden“, sagt Divé. „In der Praxis ist dies in Abhängigkeit von Bauphase, Baustellenlogistik und Witterung nicht immer möglich. Wir bitten um Verständnis, dass – bei aller Bemühung – manche Beeinträchtigungen nicht ganz ausgeschlossen werden können. Ein einzelner Anwohnerhinweis bezüglich der Staubentwicklung erreichte uns Mitte April 2020. Darauf haben wir unmittelbar reagiert und mehrere Ortsbegehungen mit Sachverständigen und der Bauaufsicht durchgeführt, um hier eine schnelle Verbesserung zu prüfen und kurzfristig umzusetzen. Mit diesem Ziel wurden ab 23. Mai mehrere Container im nördlichen Bereich aufgestellt, um das Wohngebiet der westlichen Schäferstraße abzugrenzen. Mit nun zunehmend trockener Witterung werden als weitere Maßnahme die Baustellenwege zusätzlich befeuchtet.“

Baustellen-Lkw, bitte langsamer. „Zudem wurden die Gewerke angewiesen, den Lieferverkehr konsequent mit Schrittgeschwindigkeit zu gestalten und Schütthöhen zu minimieren“, erzählt Buwog-Sprecher Divé. Auch so wird Staub reduziert. Weitere Maßnahme: „Wir montieren derzeit an den Fassadengerüsten der Speicher Staubschutzplanen, um die Staubbelastung durch Betonsanierungsarbeiten zu reduzieren. Eine zusätzliche Reinigung des Uferwegs wurde durch die Buwog am 29. Mai durchgeführt.“

Sie merken: Die Infos sind noch ganz frisch. Es gab jetzt auch ein Treffen mit den beiden Abgeordneten. „Wichtig ist noch“, sagt Divé, „es bestand zu keinem Zeitpunkt eine gesundheitliche Gefährdung, da es sich um normalen Sand- und Betonstaub handelt, der nicht schadstoffbelastet ist.“ – Text: André Görke
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