Namen & Neues

Unruhe auf Insel Eiswerder

Veröffentlicht am 16.06.2020 von André Görke

Unruhe auf Insel Eiswerder. Auf Spandaus legendärster (und einzig begehbarer) Insel drehte Atze Brauner einst seine Filme. Dort lagerte im Kalten Krieg die „Senatsreserve“ für West-Berlin (Trockenzwiebeln und Klamotten). Dort produzierte zuletzt Gamer HandofBlood seine Youtube-Filme, die Millionen Menschen weltweit sehen. Dort leben bis heute Künstler, Laubenpieper und Kanu-Sportler. Und so mancher kommt im Sommer 2020 schwer ins Schwitzen.

Droht der Rausschmiss von der berühmten Insel? Schweiß auf der Stirn hat so mancher Insel-Bewohner wegen der Senatspläne. Letzten Sommer kursierten Gerüchte, Bausenatorin Katrin Lompscher, Linke, wolle die Insel im Norden schwer bebauen. Diesen Sommer macht nun ein anderer Senatsbrief aus Lompschers Büro die Runde am Havel-Ufer. „Das Land will den Norden der Insel kaufen.“ Wofür? Die Flächen sollten dem Gemeinbedarf dienen („öffentliches Grün, Sport, Kultur“). Hier hatte ich berichtet.

Wird die Insel Eiswerder jetzt zum Freizeitpark für die Wasserstadt? SPD-Politikerin Bettina Domer kündigte hier im Spandau-Newsletter an, noch einmal genauer im Senat nachzuhaken. Heute winkt sie mit der Antwort. Drucksache Nr. 23568, Poststempel: 9. Juni 2020 – die Antwort ist also noch ganz frisch.

„Das Grundstück Eiswerderstraße 11-15 wurde dem Land von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zum Erstzugriff angeboten“, schreibt Finanz-Staatssekretärin Vera Junker, SPD, auf Domers Nachfrage. „Mit einem möglichen Ankauf verfolgt der Bezirk das vorrangige Ziel, den Nordteil der Insel der Allgemeinheit zugänglich zu machen und verstärkt öffentliche Nutzung zu sichern. Zudem sollen Sport- und Kulturvereine gesichert und integriert werden.“ Domer fragte konkret nach der Kunstgalerie Inselspinnen (seit 2002 auf der Insel), nach Kanu- und Angelsportlern und der Wochenendsiedlung. Dazu Staatssekretärin Junker: Sobald klar sei, dass Berlin die Insel wirklich kaufe, würden die „auf der Insel ansässigen Nutzergruppen“ informiert und in die Konzepte eingebunden. Nix da mit eiskaltem Rauswurf.

Die Wasserstadt braucht Erholungsraum. Und wie sehr der Norden Spandaus boomt, zeigen ganz aktuelle Pläne von Baustadtrat Frank Bewig, CDU. Der hat ein Papier fertiggemacht für die neue Rathaussitzung. Es geht 1200 neue Wohnungen im Carossa-Quartier zwischen Streitstraße und Havelufer, also ein Viertel für knapp 3000 Menschen. Mehr dazu gleich weiter unten im Spandau-Newsletter.

Eine Frage habe ich heute an Sie: Warum heißt die Insel eigentlich Eiswerder? Eisig ist da zumindest heute nix. Selbst die Havel hatte um 6 Uhr schon exakt 20 Grad Wassertemperatur. Woher also stammt der frostige Name? spandau@tagesspiegel.de – Text: André Görke
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