Namen & Neues

Weihnachtsmarkt an der Havel

Veröffentlicht am 16.06.2020 von André Görke

Weihnachtsmarkt an der Havel? Der Weihnachtsmarkt in Spandau ist der größte Berlins: Altstadt, Gassen, Hohoho. Doch 2020 rauscht ein Problem heran. Was ist mit den Abstandsregeln in der Corona-Krise? Neulich erst hatte Weihnachtsmarkt-Chef Sven-Uwe Dettmann hier eine böse Vorahnung („Die Hoffnung stirbt zuletzt“). Jetzt rückt der Markt immer näher für Gastro, Schausteller und Kulturszene. Mitte November beginnt schon das Fest. Deshalb landet das Thema jetzt auf der Rathaus-Agenda: Hier ist Drucksache Nr. 1795. Dahinter steckt eine interessante Idee. Weil die Hygiene-Vorschriften in der Corona-Krise zum Problem für den Weihnachtsmarkt werden, schlägt die CDU vor, das Festgelände zu entzerren – ans Havel-Ufer.

„Wir wollen den Weihnachtsmarkt retten“, sagte mir CDU-Wirtschaftsexpertin Bettina Meißner, als ich sie am Wochenende am Autotelefon irgendwo im Umland erwischte. Neben ihr im Auto saß Arndt Meißner. Der ist Fraktionschef der CDU, die beiden sind ein Ehepaar, schon lange im Geschäft. CDU-Antrag hin oder her: „Wir möchten gerne gemeinsam mit allen Parteien und Beteiligten über den Weihnachtsmarkt diskutieren.“ Es steht viel auf dem Spiel: Die Veranstalter von „Partner für Spandau“ haben nur noch dieses eine Event, weil sie wegen Corona alle anderen Feste absagen mussten. Und die Zeit eilt – in zehn Tagen beginnen die Sommerferien. Dann passiert erstmal wochenlang nichts in der BVV.

„Die Händler brauchen Sicherheit, und die gibt es in diesem Jahr nicht“, sagt Arndt Meißner. Er ist im normalen Leben tagsüber Polizist und vertraut mit der Einhaltung von Regeln. „Der Weihnachtsmarkt wird 2020 ein anderer sein als in den letzten Jahrzehnten. Enge Gassen, viele Stände, Gedränge – das wird so nicht funktionieren. Wir schlagen vor, den Markt zu entzerren“, so Arndt Meißner. Und Bettina Meißner – sie ist tagsüber Bankkauffrau – sagt: „Wir müssen ein Konzept erarbeiten, wie Abstandsregeln und Hygienevorschriften eingehalten werden können und wie man Besucherströme organisiert.“ Die Wasserlage könne gut genutzt werden – vielleicht ist das sogar eine Idee für die Zukunft. Die CDU schielt Richtung Lindenufer und Zitadelle.

Der Weihnachtsmarkt könnte 2020 an vielen Stationen stattfinden, zu denen man die Menschen lenken kann, damit sich nicht alle gedrängt durch die Gassen schieben. Wie wäre es mit Rummel vor dem Rathaus, Musik am Markt und hochwertiger Gastro mit Wein und Kulinarik unten am tollen Lindenufer? So einen Weihnachtsmarkt am Fluss hat schließlich nicht jeder in Berlin. – Text: André Görke
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