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So schlecht sind Spandaus Radwege

Veröffentlicht am 23.06.2020 von André Görke

So schlecht sind Spandaus Radwege. Die Radwege sind so lala in Berlin-Spandau – eng, rumpelig, oft viel zu dicht an BVG-Haltestellen. Oder nicht vorhanden. Das Fahrrad-Netzwerk in Spandau hat sich nach eigenen Angaben 275 Kilometer Radwege im Bezirk angeschaut. Auf müde Schuldzuweisungen hat das Netzwerk um Willi Loose keine Lust – besser sind Lösungen und Ideen. Aber dafür braucht man erst einmal einen Überblick des Ist-Zustands. Und hier sind ein paar knackige Infos zur Fahrrad-Situation in Spandau (aus Sicht des Netzwerks).

Die Zahlen. Knapp 60 der 275 Kilometer in Spandau sind in gutem Zustand – also etwas 20 Prozent. Und hier der ganze Rest in einer Grafik.

Die wenigen Nutzer. „Die geringe Radnutzung durch die im Bezirk wohnende Bevölkerung und der niedrige Radanteil am Alltagsverkehr im Bezirk sind Folge und Ausdruck des unzureichenden Zustands des Radverkehrsnetzes in Spandau. Das bestehende Radverkehrsnetz und sein Zustand sind Zeichen der jahrelangen Vernachlässigung.“

Das Potenzial. „Der Bezirk ist weit davon entfernt, fahrradfreundlich zu sein. Jedoch besteht hier ein hohes Potenzial zur Hebung der Verkehrsmittelnutzung zugunsten des Fahrrad.“

Der Ausbau. „Das Tempo der Sanierung und Ausbau der Radverkehrsanlagen muss deutlich gesteigert werden, wenn das Ziel des Mobilitätsgesetzes erreicht werden soll, bis zum Jahr 2030 ein gutes Radverkehrsnetz zur Verfügung zu stellen. Dazu müssen Senat und Bezirk zielorientiert zusammenarbeiten und die kommunikative Abstimmung forcieren.“

Die Ziele. „Nach unserer Aufstellung müssten in den nächsten
9 Jahren ca. 150 km Radverkehrsanlagen neu gebaut/ausgebaut werden und weitere ca. 75 km auf den Stand der Technik gebracht werden.“

Die hausgemachten Probleme. „Der wachsenden Bevölkerung in den zahlreichen Neubaugebieten wird durch die Verkehrspolitik nur unzureichende Alternativen abseits des Autos angeboten.“ Damit sind die vielen Neubauviertel im Norden gemeint (Wasserstadt, Carossa-Quartier, Pepitahöfe ff.). Fahrgäste müssen sich noch auf Jahre hinweg in die eh schon bumsvollen BVG-Busse auf bumsvollen Straßen quetschen – oder setzt der Senat auf die Verlängerung der S-Bahnstrecke Siemensbahn nach Hakenfelde? Oder kommt die Straßenbahn bald mal zügig um die Ecke?

Zu kompliziert. Sperrig, aber interessant ist auch dieser Punkt: „Die komplexere Planung und Abstimmung der begrüßenswerten überbezirklichen Radschnellverbindungen sollte die Sanierung des innerbezirklichen Wegenetzes nicht behindern und verzögern. Beide Wegenetze sprechen in weiten Teilen des Netzes unterschiedliche Nutzergruppen der Radfahrenden an.“ Heißt: Es wird durch zu viele Vorgaben zu kompliziert. Bestes Beispiel: der vermurkste 700-Meter-Radweg an der Heerstraße. Da rollt vor 2026 kein Fahrrad über die eventuell neue Trasse – acht Jahre nach den Baumfällungen. Der einfachere, aber dennoch viel bessere Radweg zwischen Stößensee und Freybrücke wäre längst fertig.

Gefährlichen Straßenecken. Hier nennt das Fahrradnetzwerk in seiner Analyse konkret drei Kreuzungen, die nicht nur für Fußgänger sicherer werden müssen.

Heerstraße Ecke Wilhelmstraße. Radfahrerinnen und Radfahrer, die von der Heerstraße (aus Staaken kommend) links in die Wilhelmstraße abbiegen möchten, bekommen beim Aufstellen in der Wilhelmstraße keinen Hinweis, wann sie die Kreuzung eigentlich queren können – die Ampel befindet sich nämlich in ihrem  Rücken. Hier ein Foto. Ähnlich sei es für linksabbiegende Radfahrer auf der Heerstraße in die Pichelsdorfer Straße. Hier ein Foto.

Klosterstraße Ecke Ruhlebener. Eine wirklich unübersichtliche Kreuzung: Hier biegen gleich zwei Fahrspuren nach rechts in Richtung Ikea ab –  während die Busse von diesen Spuren geradeaus Richtung Rathaus fahren (und zwar hier).

Klosterstraße Ecke Brunsbütteler Damm. Auch hier ist ein Phänomen zu beobachten, das auch jeder Fußgänger kennt: Autofahrer aus Richtung Westen wenden plötzlich scharf im U-Turn, weil sie zurück zum Arcaden-Parkhaus wollen – und bleiben dann mitten auf dem Radweg stehen (und zwar hier). Fahrradfahrer werden so auf die viel befahrene Klosterstraße oder auf den überfüllten Fußweg gedrängt.

Das Fahrradnetzwerk trifft sich am Donnerstag, 25. Juni, 19 Uhr, im Paul-Schneider-Haus. Schönwalder Straße 23. Anmeldung: ff-netzspandau@gmx.de

…und wie steht es um den möglichen Schnellradweg von Hakenfelde zum Hauptbahnhof, der ab 2025 gebaut werden könnte – und wo genau? 120 Leute machten bei der digitalen Veranstaltung des Senats mit. Hier Grafiken und Details. – Text: André Görke


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