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Krach auf der Havel: Hier spricht die Polizei

Veröffentlicht am 04.08.2020 von André Görke

Krach auf der Havel: Hier spricht die Berliner Polizei. Jetzt schaltet sich Berlins Wasserschutzpolizei in die Lärm-Debatte auf der Havel ein, die seit Wochen tobt – und längst von Reinickendorf über Spandau bis runter nach Wannsee reicht. In diesem Sommer hatten sich so viele Anwohner, Vereine, Wassersportler wie seit Jahren nicht über extrem laute Motorboote und Techno-Schiffe beschwert („Es ist nicht mehr auszuhalten“). Ich fragte im Polizeipräsidium um Barbara Slowik nach, und der Brief an den Spandau-Newsletter ist erfrischend klar – und enthält eine Aufforderung an die Berliner Politik.

„Während früher der vereinsgebundene Wassersportler mit soliden seemännischen Fähigkeiten das Bild bestimmte, dominiert heute eine Party- und Eventszene die Wasserstraßen“, schreibt mir die Berliner Polizei. „Die Führerscheinfreiheit für Motorboote bis 15 PS erlaubt die führerscheinfreie Nutzung auch größerer Boote, die oftmals als „Partyboote“ von Vermietenden angeboten werden. „Seemännische“ Fähigkeiten sind dabei oftmals nur rudimentär vorhanden. Den Menschen an Bord fehlt zum Teil das Gefühl für die Lautstärke und Hörweite des Schalls. Oftmals handelt es sich auch um Touristinnen und Touristen. Die Situation wird durch die Vermietung der Boote verschärft. Jeden Tag bzw. jede Nacht feiern andere Menschen im gleichen Gewässerbereich.“ Klarer politischer Auftrag aus der Polizei-Zentrale an die Politik: „Eine Vorschriftenlage, die einen Höchstgrenzwert für Lärmemissionen für Boote auf Bundeswasserstraßen festlegt, erscheint sinnvoll.“ Anders als Protz-Karren am Ku’damm werden Motorboote nämlich nicht auf Lärm kontrolliert („Motorboote unterliegen keinen spezialgesetzlichen immissionsrechtlichen Vorschriften“).

Ist die Polizei eigentlich immer auf der Havel? Anwohner, Wassersportler und Vereine wünschen sich mehr Polizeipräsenz auf dem Wasser, damit extrem laute Raser abgeschreckt werden und die Techno-Boote auch dauerhaft ihren Sound dimmen. Mehrere Leser hatten berichtet, dass die Polizei auffällig selten am frühen Abend zu sehen sei. Die Vermutung: Die Polizei verlasse die Unterhavel, weil der Schichtwechsel ansteht – hinter der Schleuse an der Polizeiwache in Hakenfelde. In dieser Zwischenzeit („bestimmt 1,5 Stunden“) könnten sich die Raser ungestört austoben. Was sagt dazu die Polizei?

„Die Wasserschutzpolizei ist 24/7 auf der Unterhavel im Einsatz, rund um die Uhr, an jedem Tag der Woche – mit Ausnahme der wechselbedingten Fahrzeiten“, schreibt mir die Wasserschutzpolizei. Allerdings: Der Personalwechsel finde nicht in Hakenfelde statt. „Der Besatzungswechsel erfolgt grundsätzlich auf dem Wannsee und ist demnach von den Schleusenbetriebszeiten in Spandau unabhängig. Erforderlichenfalls bestreifen die Kräfte die erkannten Schwerpunkte mit einem zusätzlichen Polizeiboot oder setzen Zivilfahnder ein.“ Hier die Infos zur Flotte: Die Berliner Polizei hat stadtweit 16 blau-weiße Streifenboote und 4 Zivilboote („davon sind 18 aktuell einsetzbar“). Das teilte Staatssekretärin Sabine Smentek, SPD, gerade auf Anfrage von Danny Freymark, CDU, mit. – Text: André Görke

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