Namen & Neues

Jüdisches Theaterschiff "Die Bühne" nimmt Kurs auf Spandau: Heimathafen in der Altstadt?

Veröffentlicht am 13.10.2020 von Robert Klages

Das Motorgüterschiff „MS Goldberg“ (Baujahr: 1964 in Boizenburg, Länge: 67m, Breite: 8,20m) ist derzeit noch tüchtig unterwegs, zwischen Magdeburg und Berlin zum Beispiel. Doch bald soll es in Spandauer Gewässern zum Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit eingesetzt werden. Aus der MS soll „Die Bühne“ werden, ein jüdisches Theaterschiff. Das schreibt uns Peter Sauerbaum, Vorsitzender von „Discover Jewish Europe e.V.“ Er war am Donnerstag bereits auf dem Schiff, das im Spandauer Hafen angelegt hat. Hier ein Foto.

Gezeigt werden sollen klassische Werke der deutsch-jüdischen Kulturgeschichte, Werke, die an den Zivilisationsbruch der Shoah erinnern, aber auch neue Interpretationen des Zusammenlebens, wie sie sich besonders im vielfältigen kulturellen Leben Berlins seit geraumer Zeit entwickeln. Sauerbaum sagte bereits Ende Januar im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen Zeitung, das mit dem Heimathafen sei nicht so einfach. Neben Spandau könne der Anker auch in Oberschöneweide fallen. Sauerbaum, selbst Spandauer, bevorzugt seinen Bezirk. Per Mail teilte er uns nun mit: „Der Heimathafen der MS Goldberg soll in Spandau liegen.“ Zum Projekt:

„Wir sehen die Notwendigkeit, die Sichtbarkeit jüdischer Kultur zu verstärken“, sagt Sauerbaum. Wenn es nach ihm geht, soll der Vorstellungsbetrieb bereits im Oktober/November 2021 beginnen. Idealerweise an der Havel, in der Nähe des Standorts der alten Synagoge am Lindenufer 12, unweit des Denkmals zur Erinnerung an die Shoa und die Pogromnacht vom 9. November 1938, als die Nazis die Synagoge zerstörten.

„Wenn wir auch keine Synagoge mehr in Spandau haben, so kehren wir mit dem Jüdischen Theaterschiff sichtbar zurück“, so Sauerbaum. Er führt deshalb bereits Gespräche mit dem Bezirksamt und Stadtrat Frank Bewig (CDU), dem Reederverband und dem Wasser- und Schifffahrtsamt. Ergebnisse konnten bisher noch nicht erzielt werden. Das Havelufer in der Altstadt soll ab 2021 allerdings erstmal umgebaut werden.

Das Schiffsprojekt wird unterstützt vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein. Beide Empfehlungsschreiben liegen uns vor. Von einer „Bereicherung des deutschen Kulturlebens“ schreibt Klein. Es könne „in bedeutendem Maße zu gesellschaftlicher Toleranz und dadurch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land“ beitragen. „Eine finanzielle Förderung befürworte ich daher nachdrücklich“, so Klein.

„Ein Theaterschiff, das sich auf ein jüdisches Repertoire spezialisiert, gibt es noch nicht“, so Schuster. Durch die Mobilität bringe es die Möglichkeit für entsprechende Aufführungen in Städten, die zum Beispiel keine Theater haben.