Namen & Neues

Karstadt vor der Pleite: Und nun?

Veröffentlicht am 09.01.2024 von André Görke

Wenn Franziska Giffey, SPD, heute durch die Altstadt spaziert, kommt sie bei Karstadt vorbei. Hoffentlich brennt dort noch lange Licht! Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof steht zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren vor der Pleite.

Das Unternehmen hat gestern beim Essener Amtsgericht einen Insolvenzantrag eingereicht, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Angestrebt werde ein normales Verfahren und keine Sanierung in Eigenverwaltung, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Die Zukunft der 15.000 Beschäftigten in den 92 verbliebenen Warenhäusern ist damit ungewiss – wieder einmal. Experten erwarten, dass die Zahl der Filialen stark abnehmen wird. Mehr hier im Tagesspiegel: www.tagesspiegel.de/wirtschaft/themen/karstadt

Eröffnet wurde das Spandauer Kaufhaus an der Carl-Schurz-Straße 1965, damals noch unter dem Namen „Hertie“. 150 Menschen arbeiten dort, davon 50 in Shops.

„Die Lage ist sehr ernst. Galeria Karstadt Kaufhof gehört zu Berlin. Unsere oberste Priorität ist der Schutz der rund 1900 Beschäftigten und der Erhalt der neun Warenhausstandorte in und für Berlin“, sagte Giffey nach der schlechten Nachricht. Eine Insolvenz könne aber auch die Chance auf neue Investoren für die dringend notwendige Weiterentwicklung der Standorte bieten. Nur so könnten die Arbeitsplätze gesichert und „echte Anker für unsere Einkaufsstraßen“ erhalten und neu gestaltet werden.

Erst kurz vor Weihnachten hatte Bürgermeister und Wirtschaftsstadtrat Frank Bewig, CDU, bei der neuen Chefin in Spandau, Filialgeschäftsführerin Marit Kretschmar, vorbeigeschaut und gesagt: „Unser Karstadt in der Altstadt ist und bleibt für Spandau von zentraler Bedeutung. Wir als Bezirk werden all unser Möglichstes tun, um zur Standortsicherung beizutragen. Und die Spandauerinnen und Spandauer sind gefordert, ihrem Karstadt die Treue zu halten.“

In der Immobilienszene wird schon lange geraunt, dass Karstadt in Spandau womöglich die Flächen halbieren wolle – die Keller-Etage (früher Lebensmittel) ist schon lange dicht. Auch das Café ganz oben war die letzten Wochen geschlossen. Karstadt selbst äußert sich zu einzelnen Filialen nicht.

Ein großes, leeres, dunkles Kaufhaus in der Altstadt Spandau fürchten alle. Das könnte abschreckend wirken für alle Menschen, die in die Altstadt wollen. Zumal 2025 auch der Marktplatz umgebaut und brachliegen wird.

Im Rathaus gibt es grobe Gedankenspiele, leerstehende Karstadt-Etagen selbst zu nutzen. So große und leerstehende Mietflächen in Rathausnähe sind rar („Es dürften dann keine stillen Büroflure sein, sondern eher Bezirkseinrichtungen mit Publikumsverkehr“). Auch Kulturflächen seien denkbar, sagen Menschen, die etwas zu entscheiden haben im Rathaus. Mehr dazu hier im Tagesspiegel.

  • „Galeria-Insolvenz bietet Chancen für Berlin“: Womöglich wirkt sich die Kaufhaus-Krise am Ende positiv aus für die Hauptstadt, schreiben unsere Gastautoren. Es komme auf eine smarte Nachnutzung an.