Polizei

Raser, Blitzer, Anwohner-Ärger: Die Debatte um den Weinmeisterhornweg

Veröffentlicht am 21.04.2020 von André Görke

Raser, Blitzer, Anwohner-Ärger: Die Debatte um eine kleine Straße im Berliner Westen . Diese Debatte trifft einen Nerv. Es geht um die Autofahrer, die dem Stau auf der Heerstraße in Berlin-Spandau ausweichen und lieber zackig durchs Wohngebiet rollen – über den rumpeligen Weinmeisterhornweg. Folge: Anwohner sind sauer, Eltern sorgen sich um ihre Kids – denn an der kleinen Straße liegen gleich zwei Grundschulen. Autofahrer hingegen sagen: „Da kann keiner rasen – dafür ist die Straße viel zu schlecht.“ Und sowieso: „Schneller als 40 Km/h fährt keiner in der Tempo-30-Zone.“ Ich bin die Straße mal durchgeradelt – hier mein Foto. Baustadtrat Frank Bewig, CDU, will die Straße ab 2021 sanieren und auch das Tempo drosseln. Ganz schön viel Ärger und Debatte, deshalb hat die Polizei dort 2019 einen High-Tech-Blitzer in dieser kleinen Straße aufgestellt. Ergebnis auf Anfrage von Harald Moritz, Grüne: 0 Temposünder. Ich bekam viel Leserpost. Auszüge aus dem Brief einer Anwohnerin zeige ich Ihnen heute – und auch die Stellungnahme der Berliner Polizei.

DAS SAGT DIE ANWOHNERIN
„Hier tobt ab 6.30 Uhr der Irrsinn“
„Auf Höhe des Ponyhofes tobt – von der jetzigen erholsamen Zeit mal abgesehen – jeden Morgen ab 6.30 der Irrsinn. Extrem wird es gegen 7.30. Die Straße ist schmal, der Gehweg mini. Täglich kommt es zu gefährlichen Situationen“, berichtet Anwohnerin Sabine Scheewe, die sich mit mehreren Nachbarn unterhalten hat. „Schulkinder, die diesen Weg versuchen entlang zu gehen, werden fast umgefahren, da die stadteinwärts fahrenden Autos über den Gehweg heizen. Es mag kein Autofahrer auf den anderen warten. Sprich, wenn die Straße durch Einbuchtungen oder parkende Fahrzeuge einspurig ist, wird auf den Gehweg ausgewichen, um aneinander vorbei zu kommen. Fakt ist, dass etliche meiner Nachbarn beim Hundeausführen auf dem Gehweg gefährliche Begegnungen mit Autos hatten, ich selbst schon fast über den Haufen gefahren wurde (sowohl per pedes als auch auf dem Fahrrad) und viele Eltern sich nicht trauen, ihre Kinder zu Fuß zur Schule gehen zu lassen, da es einfach zu gefährlich ist. Der Weinmeisterhornweg  wird von vielen als Nebenrennstrecke zur verstopften Heerstraße genutzt.“

„Blitzer stand auf der falschen Seite.“ Weiter berichtet Scheewe: „Der Blitzer, auf den gerne verwiesen wird, stand eines Vormittages in Höhe der Karolinenhöhe mit Blitzausrichtung stadtauswärts. Guter Witz! Da fährt am Vormittag selten ein Auto in diese Richtung. Das sollte mal in entgegengesetzter Richtung, also stadteinwärts, ab 6 morgens passieren – nach Corona. Ich habe vorhin noch einmal herumgefragt. Auf jeden Fall aber immer stadtauswärts und an einer Ecke, an der durch den steten Gegenverkehr stadteinwärts und die von rechts kommende Straße (auch wenn es eine Spielstraße ist) nur langsam gefahren werden kann.“ Das hätten mehrere Anwohner bestätigt.

DAS SAGT DIE POLIZEI
„2150 Autos in zwei Tagen und geblitzt wurde Richtung…“ 
Ich habe die Pressestelle der Polizei gebeten, in die Akten zu gucken. Wo stand der Blitzer? Und was war der Anlass, in dieser schmalen Straße am Stadtrand einen Blitzer aufzustellen? Hier die Antwort aus der Polizeipräsidium um Barbara Slowik: „Anlässlich einer Bürgerbeschwerde wurde der Geschwindigkeitsmessanhänger im Zeitraum vom Dienstag, den 22. August 2019 bis zum Donnerstag, den 24. August 2019 für ca. 44 Stunden im Weinmeisterhornweg eingesetzt. Der Messanhänger stand im Bereich der Hausnummer 152 und hat den stadteinwärts fahrenden Verkehr überwacht. Hierbei wurden, obwohl innerhalb des o. g. Zeitraums mehr als 2.150 Fahrzeuge die Messstelle passierten, keine Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt.“

….Anwohner und Polizei nennen also unterschiedliche Blitz-Richtungen. Und das Verkehrsaufkommen ist so oder so beachtlich für einen Hochsommertag in so einer Straße – hier ein Foto, wie eng es dort ist. Klingt alles nach Fortsetzung. Klemmt sich jemand im Rathaus dahinter? – Text: André Görke
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