Sport

Veröffentlicht am 10.07.2018 von André Görke

Ost-West-Geschichte eines Segelklubs. Post haben wir jetzt von Detlef Buchwald, 74, erhalten. Er ist Vorsitzender des Segler-Club Oberspree, kurz SCO, mit Sitz an der Havel unten in Kladow. „Wir sind nicht elitär sondern kameradschaftlich und helfen einander auf dem Wasser und an Land“, heißt es in der Klub-Agenda. 250 Mitglieder hat der Verein, darunter 40 Jugendliche. Und der Klub wächst, baut jetzt ein neues Vereinshaus. Die Richtkrone wurde ganz frisch hochgezogen. „Im November soll das Haus fertig sein“, schreibt uns Buchwald. Mit kleiner Gastro an der Havel? „Es ist noch nicht entschieden ob wir später eine Bewirtschaftung einführen.“

Oberspree in Spandau? Wer genau aufgepasst hat, müsste über das „O“ gestolpert sein. O wie Oberspree – die liegt nicht in Kladow. Buchwald erzählt dem Spandau-Newsletter: „Unser Verein hat eine bewegte Geschichte, begründet durch die politische Situation Berlins.“ Gegründet wurde der SCO 1906 in Grünau, also am anderen Ende Berlins – 50 Kilometer von Kladow entfernt. „Zu Beginn der 50er Jahre wurden wir, damals im Ostteil, von den Funktionären der neu gegründeten DDR als elitäre Sportart enteignet und als Betriebssportgruppe umgewidmet. Das Eigentum, auch die Boote, wurde beschlagnahmt.“ Einige Mitglieder in West-Berlin ließen den Verein im Exil wieder aufleben. „Da wir über kein Grundstück verfügten, nutzten wir das Angebot, uns zur Miete auf dem Gelände des Bootshafens „Blau Rot“ an der Unterhavel niederzulassen.“ Damals sei dort ein Bootsanleger für Bundespräsident Theodor Heuss im Gespräch gewesen, oberhalb befand sich Schloss Brüningslinden. Es kam anders: Diese Pläne wurden aufgegeben, die Mauer gebaut, der SCO blieb endgültig in West-Berlin. 1966 wurde der Verein Pächter des Geländes, 1982 kaufte der Verein das Grundstück. Jetzt bekommt er ein neues Haus, 50 Kilometer von Grünau entfernt. – Der Verein im Netz: Segler Club Oberspree

Anzeige