Kiezgespräch

Veröffentlicht am 05.02.2019 von André Görke

Die letzte Geschichte geht gut aus. Am Wochenende an der einsamen Havel, gleich hinterm Rathaus. Nebel liegt überm Wasser, der Uferweg ist fast leer. Dann ein Schrei: „Hey, Sie, Hallo!“ Ein Mann steht am Ufer und winkt zwei Ruderern zu, die im stoischen Tempo durch die eiskalte Havel gleiten. „Meinem Sohn ist was ins Wasser gefallen. Könnten Sie vielleicht … !“ – „Nee, sorry, keine Zeit!“ Die beiden Sportler fahren auf Zeit, ihr Tempo, ihr Takt: beeindruckt kraftvoll. Doch dann sehen Sie das Kind am Ufer, daneben die Mutter. Flehend-freundliche Blicke. „Ob Sie vielleicht doch …“ Da brechen die Ruderer ab, lenken ihr ungelenkes Boot zum Ufer, heben die Mütze aus dem kalten Wasser der Havel. Ihre Trainingszeit wird heute schrecklich sein. Aber was soll’s: Sie haben eine Familie glücklich gemacht. Alle winken sich zu. Schönes Wochenende und großes Dankeschön! Da war es plötzlich ganz warm im bitter frostigen Spandau. Oder frei nach dem geschätzten Berliner Rapper Prinz Pi: „Spandau ist nicht der Nabel der Welt, aber auch nicht ihr Arsch.“ – André Görke

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Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem neuen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel. Komplett und kostenlos lesen unter leute.tagesspiegel.de

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