Kiezgespräch

Veröffentlicht am 23.04.2019 von Robert Klages

Heißt die Lösung Pedelec beziehungsweise S-Pedelec? Unser Leser André Sassenberg hat sich drei Tage ein solches Gefährt ausgeliehen. Denn er hat Probleme. Probleme, die viele Bewohnerinnen und Bewohnern von sogenannten „Außenbezirken“ kennen: Er muss jeden Tag zur Arbeit in die sogenannte „Innenstadt“ fahren. Und mit dem Auto: Hupen, ein Stück fahren, Hupen … Und mit dem Fahrrad: hechel, (für die Meisten) viel zu weit. Sassenberg muss von Kladow zum Wittenbergplatz, rund 20 Kilometer. Pedelecs sind E-Bikes, bei denen die Fahrerin oder der Fahrer vom Elektroantrieb nur dann unterstützt werden, wenn gleichzeitig in die Pedalen getreten wird.

Sassenberg mietete ein Pedelec mit Tretunterstützung bis zu 25 Km/h – damit darf er noch auf dem Radweg fahren, kam aber in keiner akzeptablen Zeit zum Arbeitsplatz und dort durchgeschwitzt an. Die Lösung wäre eine Tretunterstützung bis 45 Km/h. Damit darf er aber nicht mehr auf dem Radweg fahren.

Auf der Heerstraße dürfen die aber wohl auch nicht fahren, da die Heerstraße eine Kraftfahrtstraße ist und nur von Fahrzeugen genutzt werden darf, die mind. 60 Km/h fahren. Sassenberg müsste mit seinem S-Pedelec also einen riesigen Umweg fahren oder illegal auf dem Radweg. Beides sagt ihm nicht so zu. Auf Teilstücken der Heerstraße gibt es zwar Parallelstraßen, die man befahren darf, aber zu denen gelangt man erst gar nicht, wenn man sich regelkonform verhält. So schildert er uns die Lage.

Die parallelen Mini-Heerstraßen enden vor der Freybrücke (im Westen) und vor der Stößenseebrücke (im Osten). Dazwischen liegen 1200 Meter. Dürfte man es eigentlich schieben über den Radweg? Oder muss man mit Pedelec einen kilometerweiten Umweg über Spandaus Zentrum fahren?

Eine Mail an Stadtrat Frank Bewig (CDU) hat Sassenberg auch geschrieben. „Wenn man die Leute aufs Rad bekommen möchte, muss man die Infrastruktur dafür schaffen“, findet Sassenberg. In der Schweiz dürften S-Pedelecs Radwege nutzen. Dort betrüge der Anteil an S-Pedelecs 25 Prozent, bei uns 1 Prozent. Eine Lösung für die Heerstraße hat Sassenberg auch: Die Radwege könnten mit Zusatzschildern „Benutzung für Mofas frei“ versehen werden. Dann dürften auch S-Pedelecs den Radweg nutzen. Da vom Bewig-Büro zunächst keine Antwort kam, haben wir mal angerufen und den dortigen Mitarbeiter sofort für das Thema begeistern können. Ihm wurde letztens ein Pedelec geklaut (es war versichert).

Wenig später folgte dann jedoch eine eher ernüchternde Antwort: Die Anfrage wurde an die obere Straßenverkehrsbehörde weitergeleitet, die Verkehrslenkung Berlin. Denn diese sei für den Radverkehr im Hauptstraßennetz zuständig. Von dort hieß es dann auf Nachfrage: ja, man werde mal prüfen, wie die Situation ist. Doch zunächst kam dann Ostern und keine Antwort mehr. Wir bleiben dran.

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