Kiezgespräch

Veröffentlicht am 21.05.2019 von André Görke

Wie geht’s Berlins westlichstem Sportverein? Wir haben jetzt einen Mann kennengelernt, den wir Ihnen heute im „Kiezgespräch“ des Spandau-Newsletters vorstellen wollen: Jürgen Pufahl, 65, Präsident des FSV Spandauer Kickers, kurz: Spaki. Der Klub hat seinen Sitz draußen in West-Staaken. Ein Gespräch über Nachwuchssorgen und Bauboom am Stadtrand, soziales Engagement, Schwimmbad-Ideen und einen Gruß an den SC Staaken. 

Herr Pufahl, Sie sind Präsident des FSV Spandauer Kickers, Berlins westlichstem Sportverein. Wie geht’s dem Klub da draußen? „Gut, wir stehen stabil da. Wir haben 650 aktive Mitglieder, viele Jugendliche, starke Frauenmannschaften. Wir haben am Freitag neue Kabinen bekommen, auch Bürgermeister Helmut Kleebank war zu Gast. Ein neuer dritter Fußballplatz ist in Planung – endlich, denn darauf warten wir seit den 90ern. Wir freuen uns riesig! Aber zur Wahrheit gehört auch: In Spandau ist lange nichts passiert. Wir brauchen Nachwuchs, und der kommt nur durch junge Familien, die nach Staaken ziehen und hier Wohnraum finden. Deshalb finde ich es gut, dass endlich in Spandau so viel gebaut wird – ohne Neubauten kriegen auch wir als Sportverein Probleme. Neubauten bringen Kinder. Und wir als Sportverein können auf eine bessere BVG-Busanbindung hoffen. Die ist derzeit nicht so doll.“

Wofür steht Spaki denn so? „Sportliche Fairness, Kinderschutz, Ehrenamt, so was. Da bin ich rigoros. Wir hatten mal eine Männertruppe, die unangenehm auffiel: Die haben wir sofort rausgeschmissen. Gewalt wird nie akzeptiert.“

Und Sie sind seit den 70ern der Präsident? „Ja, Gründer, mit meinem Freund Dr. Matthias Wagner – er ist auch heute noch Vize bei uns. So mancher wird ihn kennen, er hatte viele Jahre seine Praxis in Kladow. Wir haben den Verein gegründet, damals noch am Fehrbelliner Tor, am Askanierring.“ (Hier die Vereinschronik)

Haben Sie Fußball gespielt? „Ja, ganz passabel: in der Uni-Auswahl. Und ich gehörte zum erweiterten Kader beim Spandauer SV, als die damals in die zweite Liga aufgestiegen sind …“

….und gegen Borussia Dortmund, St. Pauli und Bayer Leverkusen in Spandau spielten. „Ich habe aber nicht in der 2. Liga gespielt. Für den ganz großen Fußball hat’s leider nicht gereicht. Ich habe mich damals am Meniskus verletzt – Gips, fünf Monate Pause, dann war’s vorbei. Da habe ich den Verein Spandauer Kickers mit befreundeten Studenten gegründet und im VW-Bus Kinder aus Heimen und Kitas zu uns gefahren. Wir hatten somit viele Jugendliche, das war toll. Als wir raus nach Staaken-West mussten, sind viele leider abgesprungen. Da haben wir den Verein wieder neu aufgebaut.“ 

Sie sind Rechtsanwalt und Notar „…und Vizepräsident beim Berliner Fußball-Verband, ich sitze im Rechtsausschuss beim Landessportbund, bin Justiziar bei der Olympischen Gesellschaft in Berlin. Ich habe immer versucht, mein Wissen im Sport einzubringen … 

… und sind Sie auch Schwimmbadbetreiber? „Der Präsident der Wasserfreunde Spandau, Hagen Stamm, und ich hatten die Idee, dass wir uns beim Freibad in West-Staaken einbringen. Das liegt ja gleich neben unserem Platz. Das Schwimmbad wird ja eher lieblos von den Bäderbetrieben behandelt. Das ist klein, weit weg, nur in den Ferien geöffnet und auch abends ständig zu, wenn die Leute im heißen Sommer Lust auf eine Erfrischung hätten. Da haben wir gesagt: Lasst uns doch gemeinsam eine Idee entwickeln! Wir erreichen mit Spaki die Kinder in Staaken und haben das Netzwerk. Die Wasserfreunde haben Lust, Bedarf und Kompetenz, daraus kann man doch gemeinsam was machen, oder? Aber die Bäderbetriebe sind leider eher unflexibel. Schade. Aber wir bieten gern unser Engagement an.“

Ihr Gruß an den SC Staaken, der im Sommer 100 Jahre wird? „Ich habe da selbst gespielt, bis zum 14. Lebensjahr. Ich wünsche wirklich nur das Allerbeste, liebe Nachbarn.“ – Gespräch: André Görke
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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel entnommen. Den Spandau-Newsletter, den wir Ihnen kompakt einmal pro Woche mailen, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de. Ich freue mich auf Sie!