Kiezgespräch
Veröffentlicht am 01.10.2019 von André Görke
Der Bürgermeister von Berlin-Spandau macht nach zehn Jahren Schluss. Im Jahr 2021 hört Helmut Kleebank, SPD, auf und steht als Kandidat nicht mehr zur Verfügung – steht oben im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau. Aber was heißt das jetzt: für Spandau, die SPD, für Kleebank? Ich habe meinen Tagesspiegel-Kollegen Ulrich Zawatka-Gerlach um eine Einschätzung gebeten – keiner kennt die Partei berlinweit besser (und hat so viele Streits mit denen ausgefochten), seit 1991 ist er beim Tagesspiegel. 10 Fragen zur Lage.
- 1.) Uli, keiner kennt die SPD so gut wie du. Seit wann eigentlich? „Also, die SPD kenne ich seit meinem 15. Lebensjahr, damals aber im Ruhrgebiet. Zwei Jahre war ich sogar bei den Jusos, bin dann aber ausgetreten, weil ich die Sozialdemokraten in NRW so schrecklich fand.“
- 2.) Kennst du noch Werner Salomon? „Klar, kenne ich den noch. 1979 bis 1992 war Werner Salomon im Amt, er war legendär, vor fünf Jahren ist er gestorben. Ein Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn, der nach dem Mauerfall gleich eine Partnerschaft mit Nauen gegründet hat.“
- 3.) Kleebank will nicht mehr. Hat sich hier im Frühsommer angedeutet. Seit wann war das Thema auf den großen SPD-Chef-Fluren in Berlin? „Dass Helmut Kleebank nach zehn Jahren aufhören will, kommt nicht sehr überraschend, weil er dies schon beim Amtsantritt 2011 angekündigt hatte. Aber viele Genossen hofften, er würde doch weitermachen. Im Sommer hat er sich entschlossen, 2021 aufzuhören, dies aber nur mit seinem Vertrauten Raed Saleh besprochen und bis letzten Freitag unter der Decke gehalten. Sonst wäre die Nachricht in der gesprächigen SPD längst rum gewesen.“
- 4.) Und ist das jetzt schlimm, für die SPD in Berlin oder die SPD in Spandau? „Was soll daran schlimm sein? Mehr als zwei Wahlperioden sollte sich kein Politiker zumuten, und den Parteifreunden und Wählern auch nicht. Nach zehn Jahren ist der Lack meistens ab und die Nerven sind dünn geworden. Das gilt auch für talentierte und sachorientierte Kommunalpolitiker wie Kleebank.“
- 5.) Wer wird Nachfolger oder Nachfolgerin? „Es ist nichts zu hören – die Personaldecke ist auch in der Spandauer SPD dünn.“
- 6.) Was sagt der Flurfunk? Weiblich, jung, links oder eher… „Bisher rauscht es nur im Flurfunk. Weiblich und eher links liegt nahe, aber fröhliche Leute sind auch in der Berliner SPD rar.“
- 7.) Will oder traut sich keiner nach Spandau? „Spandau bei Berlin muss man in all seinen Facetten gut kennen, wenn man Bezirksbürgermeister werden will. Sonst geht man unter.“
- 8.) Wo findet Kleebank einen neuen Job? „Notfalls wieder als Schuldirektor. Vielleicht finden wir Kleebank 2021 im Bundestag wieder oder er kümmert sich an anderer Stelle um die Bildungspolitik.“
- 9.) Gibt es einen Gewinner? „In Spandau? Nein. Vielleicht die CDU, die einen starken Konkurrenten weniger vor sich hat – aber erst mal sehen, wen die 2021 ins Rennen schicken.“
- 10.) Gibt es einen Verlierer? „Nein und Ja. In Spandau war und ist immer Raed Saleh der große Steuermann und Netzwerker. Mal sehen, wie lange noch. Er wollte Kleebank halten – das hat er nicht geschafft. Jetzt muss er eine B-Lösung finden.“ – Fragen: André Görke
+++
Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau entnommen. Den gibt’s in voller Länge (und kostenlos) hier: leute.tagesspiegel.de
+++
Weitere Themen aus dem Spandau-Newsletter: ++ Als Helmut Kohl die U7 einweihte: Ein Zeitdokument aus dem Rathaus-Schrank +++ Berlin-Vergleich: Wie schnell waren wir Spandauer beim Marathon? +++ Feuerwehr in Not: „Schon wieder Einbrecher!“ +++ Millionen-Plan: Umbau des Rathaus-Platzes kostet… +++ Heiratsantrag im Newsletter: „Ich verstand erst gar nichts“ +++ Termin beim Regierenden: Wer heute im Roten Rathaus geehrt wird +++ Tipps und Termine für Spandaus Familien +++ 2011-2021: Helmut Kleebank hört auf – und was heißt das jetzt für Spandau? +++ Meinen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel gibt’s komplett und unkompliziert hier: leute.tagesspiegel.de