Kiezgespräch
Veröffentlicht am 04.02.2020 von André Görke
Kommen wir zur 1. Mall in Deutschland. Die wurde 1961 in Siemensstadt eröffnet. Ich besuchte neulich das Einkaufszentrum – hier meine Fotos. Eröffnet wurde es 1961 von Kaufmann-Legende Investor Karl Heinz Pepper (1910-2003). Der hatte einst auch das „Europa-Center“ aufgebaut. Sechs Millionen D-Mark hat das Einkaufszentrum gekostet. Zur Eröffnung zwei Wochen nach dem Mauerfall kamen die Massen. Schauen Sie mal, was damals los war im Einkaufszentrum – hier ein Tagesspiegel-Foto. Lesen Sie hier den Tagesspiegel-Bericht aus dem Oktober 1961:
„Nach Vorbildern der 1954 in Rotterdam und 1960 bei Stockholm errichteten ‚Shopping Centers‘ wurde von dem Berliner Architekten Helmut von Lülsdorff das Kaufzentrum in Siemensstadt entworfen. In seiner Vollendung eine attraktive Anlage in Glas und dezenten Farben. Ein erster Schaufensterbummel, bei dem man auf einer Strecke von 550 Metern unter überstehenden Regenschutzdächern die Auslagen betrachten kann, zeigte, dass die verschiedensten Branchen vertreten sind. Bäckerei, Apotheke, Tapeten-Händler, Sparkasse, Reisebüro. Ein Friseur, eine Reinigung, ein Elektrogeschäft, ein Fotohändler, ein Konfektionshaus. Nicht vergessen sei eine Tankstelle, die gegenwärtig am Popitzweg entsteht. Ferner will in Kürze „Bilka“ auf den Nachbargelände noch ein Warenhaus errichten.“ Und weil bald die U-Bahn nach Spandau gebaut werde, „wird mit 100.000 Besuchern im Jahr gerechnet“.
Und wie finden Sie das alles heute? Hier Leserbriefe aus dem Januar 2020.
- „Es war früher besser. Es gab Hertie, Woolworth, ein Schuhgeschäft, eine Drogerie, ein Reformhaus, ein Fisch-Geschäft, ein Foto-Geschäft, ein schönes Café und vieles mehr. Man brauchte nirgends hinfahren, man bekam alles vor Ort.“ – Gabriele König
- „Ich kenne das Einkaufszentrum seit 1977. Es gab einen Fleischer, ein Reformhaus, Butter-Lindner, drei Boutiquen, ein Schuhgeschäft, ein Fotofachgeschäft, ein italienisches Restaurant und in den Pavillons vor dem Einkaufszentrum am Popitzweg ein griechisches Restaurant und einen wundervollen Spielzeugladen. Ich glaube nicht, dass wir damals mehr Geld zur Verfügung hatten, aber heutzutage werden andere Prioritäten gesetzt: Billigläden, Ketten, Nagelstudios. Ich finde es traurig.“ –Silvia Czischke
- „Was fehlt? Ein Bioladen oder Unverpackt-Laden wäre super. Ebenso ein schönes Café. Aber das fehlt grundsätzlich in Siemensstadt. Nicht unbedingt im Center. So wie das ‚Barfly‘, das ‚Salt’n’Pepper‘ oder ‚Meilenstein‘. Das Aussehen des Centers könnte auch eine Auffrischung vertragen.“ Sabine Willkommen
- „Vor 10 Jahren war es schlimmer. Da ging Aldi raus, da gab es viel Leerstand. Zum Glück ist die Post geblieben, und auch Netto ist wichtig für den Kiez. Ich glaube, im Großen und Ganzen ist das ein funktionierendes Nahversorgungszentrum. Heute höre ich, dass viele ein gemütliches Café vermissen. Ich glaube, dass die neuen Geschäfte in der Siemensstadt 2.0 keine Konkurrenz sein werden – die ist relativ weit weg und zieht eine andere Klientel an. Der S-Bahnhof an der Straße wird auch eher belebend wirken. Ich werde mal wieder Kontakt zum Verwalter suchen, ob Neuigkeiten anstehen.“ Daniel Buchholz, SPD, aufgewachsen an der Siemensbahn. Das klingt nach einer Fortsetzung hier im Spandau-Newsletter. – Text: André Görke
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