Kiezgespräch

Veröffentlicht am 07.07.2020 von Robert Klages

Streit um Maskenpflicht: Bäckerei-Personal beschimpft und beleidigt. Wenn ich mit meiner Atemschutzmaske in Spätis oder andere Geschäfte gehe, höre ich immer häufiger „Ach, lass ab den Scheiß“ oder „Die Maske brauchst du hier nicht“ oder „Also meinetwegen kannste die absetzen“. Ich lasse meine Maske dann trotzdem auf. Anders erging es einem unserer Leser in der Bäckerei Zimmermann im Magistratsweg 130, Staaken: Dort werden Verkäuferinnen und Verkäufer „von Kunden angegangen, beschimpft und persönlich beleidigt“, wie ein Aushang beschreibt. Der Leser hat uns ein Foto geschickt.

„Ich bin traurig und erschrocken“, schreibt Wolfgang Zimmermann. Er hätte zwar Verständnis dafür, dass die Maßnahmen den Alltag der Kunden erschweren, „aber bitte lassen Sie Ihre Zweifel und Ihre Sorgen nicht an meinen Mitarbeitern aus“. Beim Brötchenkaufen müsste man nur für eine kurze Zeit eine Maske tragen.

„Und wenn Sie einen Attest besitzen, bitte wir Sie trotzdem, ein Tuch oder einen Schal vor den Mund zu halten“, schreibt Zimmermann weiter in dem Aushang. „Sollte jemand von uns erkranken, ist eine Schließung des gesamten Betriebs möglich. Dann sind 40 Mitarbeiter/innen und ihre Familien betroffen.“

Eine Frau habe sich geweigert, eine Maske beim Brötchenkaufen zu tragen. Sie sei schon öfter beleidigend geworden gegenüber dem Personal, erzählt Zimmermann. Sie habe irgendein Attest gehabt, das es ihr erlaube, keine Maske zu tragen. Die Frau habe sich bereits öfter, auch per Mail, über die Maskenpflicht beschwert.

„Ihr macht alles, was dieser Stasi-Staat von euch will“ soll sie zu anderen Kundinnen und Kunden der Bäckerei gesagt haben. Zimmermann erteilte ihr Hausverbot. Sie sei aber vor dem Geschäft stehen geblieben und wollte wieder ins Geschäft gehen. Zimmermann rief die Polizei – als diese eintraf, war die Frau jedoch schon weg. Der Bäckermeister hat sich das Kennzeichen ihres Autos notiert und Anzeige bei der Polizei erstattet.

Die Polizei bestätigt den Einsatz an der Bäckerei und die Anzeige. Noch sei die Frau nicht ausfindig gemacht worden, aber die Ermittlungen laufen noch. Es wurden Zeugenaussagen genommen und derzeit werde geprüft, ob das von Zimmermann beschriebene Verhalten zutreffe.

Die Frau habe zudem immer wissen wollen, warum die Angestellten der Bäckerei keinen Mundschutz tragen. Zimmermann sagt dazu, man könne nicht acht Stunden mit Maske arbeiten – daher habe er sein Personal von der Maskenpflicht befreit. Es würde hinter einem Spuckschutz gearbeitet.

Es ist nicht der einzige Vorfall. Immer wieder würden seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beleidigt, erzählt Zimmermann. „Ich schlage dich Fotze kaputt“, oder so ähnlich, soll ein Mann gesagt haben, als er auf die Maskenpflicht hingewiesen worden sei. Die Verkäuferinnen und Verkäufer seien nach Feierabend total fertig. „Man will ja eigentlich nur in Ruhe Brötchen verkaufen.“

„Maske tragen und Respekt“: Zimmermann wünscht sich ein friedliches Miteinander in dieser schwierigen Zeit. Unser Leser kauft immer Roggenbrot bei Zimmermanns. Brote und Kuchen seien einfach umwerfend. Das Schild habe er erschrocken zur Kenntnis genommen. „Es kann nicht sein, dass diese ständig weiter anwachsende Verrohung der Gesellschaft jetzt auch schon auf dem Rücken so eines kleinen Bäckers ausgetragen wird.“

Einen ähnlichen Fall hatte es bereits Anfang Juni in einer Bäckerei in Pankow gegeben. Auch hier hatte der Inhaber ein Schreiben ausgehängt, das mit dem Schreiben in der Bäckerei Zimmermann nahezu identisch ist. Es hat sogar den gleichen Titel: „Ich bin sehr traurig und erschrocken.“ Darauf angesprochen sagte Zimmermann, er wisse nichts von einer Bäckerei in Pankow. Seinen Text habe er selbst geschrieben – zusammen mit seiner Assistentin.

Seine Bäckerei musste bereits eine Verkaufsstelle in Groß Glienicke schließen. Aufgrund von akuten Personaleinschränkungen habe man eine Aufrechterhaltung des Verkaufs in dieser Filiale nicht mehr realisieren können.

Möchten Sie einen Backshop in Groß Glienicke eröffnen? Bäckerei und Konditorei Zimmermann sucht nach einem Nachfolger. Zimmermann ist der beste Bäcker in Spandau – das haben Sie, die Leserinnen und Leser dieses Newsletters 2018 abgestimmt.

+++ Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de

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