Kiezgespräch

Veröffentlicht am 28.07.2020 von André Görke

Top-Thema: Krach auf der Havel in Berlin-Spandau. Letzte Woche berichteten Sie, die Leserinnen und Leser des Spandau-Newsletters, über die Lautstärke auf der Havel, die immer mehr zunehme. Das liege an den vielen Techno-Booten und an drei, vier extrem lauten Motorbooten („Es ist nicht mehr auszuhalten“). Die Öffentlichkeit für das Problem ist damit hergestellt. Die hohe Resonanz wurde auch von Politikern und Polizisten bemerkt – mal sehen, ob und wie die Verantwortlichen das Thema angehen.

Aus Zehlendorf trafen Leserbriefe von Tagesspiegel-Lesern ein, die auf ein weiteres Problem hinwiesen – die aggressiven und viel schnellen Jet-Ski-Fahrer, über die sich auch Polizei und DLRG ärgern. Hier der Bericht von Boris Buchholz im Tagesspiegel-Newsletter für Zehlendorf. Und auch ich erhielt weitere Eindrücke von Leserinnen und Lesern – hier Auszüge aus den Leserbriefen.

Lärm-Ärger nicht nur auf der Unterhavel. „Es ist auch am Spandauer See zu bemerken. Mehrmals in der Woche fahren ein schwarzes und ein weißes ‚Superboot‘ mit einem Wahnsinnssound des Motors über den See, leider recht langsam, so bleibt einem lange der Krach erhalten. Am ehemaligen Strand am Telegrafenweg werden wohl Hausboote vermietet, die oft mit unerträglich lautem Techno übers Wasser schippern, natürlich voll mit Partygästen. Und am Zitadellenweg, wo vor kurzem ein Wochenendrave aufgelöst wurde, ist mittlerweile auch in der Woche bis 5 Uhr nachts ein Wummern von Bässen zu hören. Nix gegen Partys in Berlin, verstehe jeden und jede, die mal wieder Feiern möchten, aber diese Form der eigenen Vergnügung ist asozial.“ – Thomas Geffe

Raser kennen Polizei-Dienstpläne. „Seit 11 Jahren betreibe ich einen führerscheinpflichtigen Motorbootverleih. Vieles bin ich gewohnt, u.a. die Rivalitäten zwischen Ruderern, Seglern, Motorbootfahrern, Schwimmern, Surfern, SUPs etc. Auch das Wasser wird seit Jahren voller, dies ist an der steigenden Zahl von Bootsschulen, Bootsvermietungen, Bootsverkäufen etc. zu sehen und natürlich an den knapper werdenden Liegeplätzen. Was ich mit den Jahren feststelle, ist eine Ordnungsmacht, die entweder zu viel zu tun hat, oder angehalten wird, nicht zu viel zu tun – denn Kontrollen im Wassersportbereich sind rar. Ich selbst bin im Sommer mindestens an jedem sonnigen Tag an der Scharfen Lanke. Lärmbelästigung geht sowohl von Partyflößen als auch von (umgebauten) Segelbooten aus. Dass dies zu schwierig zu kontrollieren sei, ebenfalls wie die “gefühlten täglichen” Rasereien, halte ich gelinde gesagt für eine Ausrede. Mir selbst sagte mal ein Polizist, dass Segelboote nicht oder fast nicht kontrolliert werden, weil dies so schwierig mit dem Anlegen sei. „Die Raser“, so man diese so nennen möchte, kennen teilweise die Schichtpläne der Polizeitboote bzw. den Zeitpunkt der Wachwechsel in Wannsee/Mertensstraße. Es ist demnach kein Zufall, dass gerne abends sich stark motorisierte Boote treffen, um ab dem Gemünd Rennen zu fahren.“ – Udo Buddensiek

Um 17 Uhr verschwindet die Wasserschutzpolizei. „Wir haben seit mehr als 40 Jahren ein Segelboot an der Scharfen Lanke und sehen die Entwicklung auf der Havel. Wir und andere Segler aus unserem Verein haben auch schon Anzeigen erstattet sowohl gegen rasende Motorboote als auch gegen Partyflöße. Bis die Wasserschutzpolizei da ist, sind die Raser natürlich längst weg und die Partymacher reduzieren ihren Lärm, bis die Polizei außer Sichtweite ist. Vor 17 Uhr verschwindet die Wasserschutzpolizei in die Schleuse Spandau, denn ihr Stützpunkt liegt leider hinter der Schleuse. Dann ist die Unterhavel frei für Raser und Partymacher. Früher gab es einmal einen Standort der Wapo auf Schwanenwerder, der rund um die Uhr besetzt war. Da war schnell die Polizei vor Ort. Heute ist man dem Lärm bis tief in die Nacht ausgesetzt. Wir sind froh, dass die großen Partyschiffe der Reedereien aktuell nicht fahren dürfen. Die schlichen regelmäßig im Zeitlupentempo um die Pfaueninsel, einem Naturschutzgebiet, und beschallten die Umgebung bis tief in Nacht mit ihren Bässen. Aber was bringt Ihr Aufruf? Sie haben jetzt Stimmen gesammelt. Auch wurden Verantwortliche von Senat und Polizei befragt. Aber wird sich was ändern?“ – Ulla Faets

Die Wasserschutzpolizei habe ich auch um eine Stellungnahme gebeten. Bis vor zehn Jahren gab es in der Tat eine Wache am Wannsee, auf der Insel Schwanwerder. Wer bei Google Streetview nachguckt, sieht die Polizeiwache sogar noch – hier der Fotobeweis. An der Inselstraße 8 hängt das große, grüne „Polizei“-Schild am Haus. Im Vorgarten steht ein Polizeibus, dahinter liegt ein Polizeischiff im Wasser. Die Wache wurde verkauft. Wenn heute Schichtwechsel ist, müssen die Polizisten mit ihrem blau-weißen Boot ganz nach Norden fahren, noch hinter die Wasserstadt. Hinter der Schleuse liegt die Polizeiwache an der Mertensstraße. Das ist selbst für Wasserschutzpolizisten ein sehr langer und sehr zeitaufwändiger Weg hin und zurück („auch wenn wir die Schleuse im Notfall mit einem Spezialfunkgerät selbst bedienen können“, wie mir Polizisten erzählen). Wie die Wasserschutzpolizei das alles offiziell sieht, erzähle ich Ihnen nächstes Mal. Die Anfrage liegt seit Tagen im Polizeipräsidium von Barbara Slowik. Die Antwort wird also gehaltvoll sein. – Text: André Görke

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