Kiezgespräch

Veröffentlicht am 25.08.2020 von André Görke

Wie finden Sie den Wochenmarkt vor dem Rathaus Spandau? Stadtrat Stephan Machulik, SPD, will mehr Frische-Händler gewinnen und möchte Bierbänke als Sitzmöglichkeit aufs Trottoir stellen. Das ist Gollaleh Ahmadi, Grüne, viel zu öde. Sie sprach hier von einem 08/15-Wochenmarkt vor dem Rathaus und orientiert sich an innerstädtischen Wochenmärkten mit Kultur, Kids-Bespaßung und Szene-Charme. Im Thema steckt Leben drin und beschäftigt jetzt auch die Rathaus-Agenda in der BVV. Ich fragte Sie, die Leserinnen und Leser des Tagesspiegel-Newsletters für Berlin-Spandau. Finden Sie den Markt auch so übel? Hier Ihre Meinungen.

„Ich kann mich den Grünen nur anschließen: leider viel 08/15. Ich würde mir Angebote wie in Charlottenburg oder Schöneberg wünschen, also auch mal ein Feinkost-Stand oder Foodtruck. Realistisch gesehen fürchte ich, die kauf- und probierfreudige Kundschaft dafür fehlt.“ Josephine Bienert-Köhler

„Ich finde die Idee von Herrn Machulik, den Wochenmarkt vor dem Rathaus aufzuwerten, sehr gut. Ein paar Sitzmöglichkeiten und ein gutes gastronomisches Angebot zu dem jetzigen würde bestimmt mehr Spandauer und wahrscheinlich auch Berliner zu einem Besuch verleiten und zu einer längeren Verweildauer einladen. Bei meiner Schwester in Süddeutschland gibt es einen Weinstand auf dem Markt und einen sehr guten Kaffee- und Kuchenstand  –  die Plätze sind immer besetzt und vermitteln eine lockere und gemütliche Atmosphäre.“ Gabi Schott

„Wir sind in Spandau und nicht am Wittenbergplatz.“ Ursula Ehlert

„Finde den Mark gut, ist ’ne Perle, aber ausbaufähig. Übrigens sind Bierbänke nix für Omas, Mutter, Vater, Kind. Der Lieferverkehr müsste auch reguliert werden, wenn Bäcker und Schlachter um 11 Uhr von 3,5-Tonnerb beliefert werden. Ich finde, das geht gar nicht! Mülleimer gerne mehr. Aber sonst: Ich finde Spandau perfekt und liebenswert. Ich werde demnächst von Hamburg nach Spandau ziehen. Bis bald!“ Viola Handke

„Man muss langsam mal die Kirche im Dorf lassen. Spandau ist zum Glück nicht Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte. Die Grünen haben einen übersteigerten Anspruch. Sie können ihre Events auf dem Marktplatz verwirklichen.“ Martina Foote

„Leider gibt es auf dem Wochenmarkt kaum noch gute Marktware. Der Stand mit polnischer Ware ist einmalig. Auch die Stände mit Gemüse und Obst sind in Ordnung. Überwiegend gibt es nur noch Textilien. Es fehlt ein Fleischer aus dem Umland.“ Sigrid Weiland

„Seit vielen Jahren lese ich den Tagesspiegel-Newsletter und heute melde ich das erste mal zu Wort: der Wochenmarkt am Rathaus ist so unattraktiv! Bis auf die regionalen Kartoffeln, kann man kaum etwas Brauchbares kaufen. Die Obst- und Gemüsehändler überzeugen weder mit Qualität noch mit Freundlichkeit. Gutes Brot, Regionale Produkte, schöne Blumen, Kräuter, Käse…. das alles fehlt!  Eine Bank oder gar Spielecke brauch ich nicht.“ Maren Melchior

„Jeden Tag außer Sonntags kann man einen Markt besuchen…wo gibt es das schon? Ein Marktplatz der Ideen ist immer gut und am Ende macht’s die Mischung. Das eine ist, was man sich wünscht, das andere ist die unternehmerische Entscheidung. Anfragen kommen bei uns, beim Altstadtmanagement Spandau  und auch bei den Kollegen der Marktverwaltung immer wieder ‚rein, ob dann ein Platz frei ist, oder die Interessenten sich dafür entscheiden steht auf einem anderen Blatt.“ Patrick Sellerie, Wirtschaftsförderung

„Am Rathaus ist es nach meiner Beobachtung so gut wie immer sehr laut und windig, im Sommer kann es „brüllend heiß“ sein, im Winter „lausig kalt“.  Obendrein riecht es manchmal recht unangenehm nach Essen. Also: ungemütlich hoch drei! Wo sollte da Platz für Tische, Bänke, Kleinkunst sein? Im Dezember musste bisher der Wochenmarkt stets dem Weihnachtsrummel weichen. Kein Platz für Kunst, nur für „Kommerz“. Seit Jahrzehnten hat Spandau durch höhere Arbeitslosigkeit und Transferzahlungsempfänger eine im Vergleich zu anderen Bezirken niedrige Kaufkraft. Für mich hat dieser Rathausvorplatz nicht die geringste Aufenthaltsqualität. Beim „Land- und Bauernmarkt“ auf dem „richtigen“ Marktplatz in der Altstadt sieht das schon anders aus. Das ist deutlich ruhiger als am Rathaus! Kleinkinder können gefahrlos herumtollen, wenn nicht die „blöden“ illegitimen Rad- und E-Roller-Fahrer wären. Zugegeben, für gehbehinderte Menschen ist der Marktplatz nicht überall geeignet, aber das soll ja nun alles anders werden.“ Barbara Nowak

„Mehr frisches regionales Obst und Gemüse am Samstag fände ich toll! Der Sommer-Stand aus dem polnischen Oderbruch ist da schon ein schöner Lichtblick. Was die Aufenthaltsqualität betrifft, bin ich eher bei dem bodenständig-pragmatischen Herangehen, mit dem Stadtrat Machulik zitiert wird. Auch z.B. am Winterfeldtplatz sitzt man auf dem Markt überwiegend auf Bierbänken, so what?“ Dietrich Veit

„Also ich finde den Wochenmarkt am Rathaus ganz in Ordnung. Vor allem weil er am Samstag stattfindet. Und die Preise sind auch günstiger als auf dem Umland-Bauernmarkt vor Woolworth. Dort werden ja auch nicht nur regionale Produkte angeboten. Auch die türkischen Gemüsehändler vor dem Rathaus haben regionale Produkte wie Beelitzer Spargel. Und der Fischstand erinnert mich positiv an Urlaub an der Küste. Gut, da wären vielleicht ein paar Sitzgelegenheiten nicht schlecht. Die Stände, die keine Lebensmittel verkaufen, interessieren mich auch weniger. Aber irgendjemand muss ja da einkaufen, sonst wären sie längst pleite. Kultur brauche ich nun wirklich nicht auf einem Wochenmarkt. Eine Spielecke für Kinder hat da auch nichts verloren. Ich bin als Kind auch mit meiner Mutter regelmäßig auf dem Wochenmarkt gewesen und fand das sogar interessant. So lernt man als Kind doch schon frühzeitig viel über Lebensmittel.“ Sabine Kunow

P.S.: Auch der Fischhändler ist wieder aus dem Urlaub zurück, meldet Stadtrat Stephan Machulik. Und ein weiterer Gemüsehändler aus dem Oderbruch sei jetzt eingetroffen. Hier ein Foto. – Text: André Görke
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