Kiezgespräch

Veröffentlicht am 04.03.2022 von André Görke

Hans Carossa I: Welchen Namen sollte das Hans Carossa-Gymnasium auf dem Flugplatz Gatow bekommen? Letztens hatte Schulleiter Henning Rußbült im Tagesspiegel gesagt, dass die Kladower Schule ihren Namen im Spätsommer 2022 ändern wird (hier das Interview). Den Namen soll jetzt ein Schulgremium finden. Es gibt auch schon Ideen, aber die sind noch streng geheim. Er persönlich wünscht sich eine Person, die für Demokratie steht. Die zur Schule passt. Die einen Bezug zu Berlin hat und….

  • Werner Salomon!“, schlägt Leser Ralf-Axel Wolfgang Krause vor und meint damit den langjährigen Spandauer Bürgermeister zu Mauerfall-Zeiten (1979-1992). 
  • Erich Meier!“, schlägt Leser Stefan Byczynski vor und erinnert damit an den 22-jährigen Spandauer, den die Nazis 1933 aufspürten, misshandelten, töteten. „Erich Meier war ein junger couragierter Mensch, ein Vorbild mit dem sich die Schüler gut identifizieren können.“ Am 13. März, 14 Uhr, wird auf dem Friedhof In den Kisseln an Erich Meier erinnert.
  • Oder wird es doch eher eine sehr angesehene Frau, die dem Gymnasium und seiner Schülerschaft einen passenden Namen schenkt? Fortsetzung folgt spätestens im Sommer.

Hans Carossa II: Wie sollte die Carossastraße in Hakenfelde in Zukunft eigentlich heißen? Auch das ist Debattenstoff in Spandau. Die Linke um Lars Leschewitz hat letzte Woche die Umbenennung in der BVV beantragt und vorgeschlagen, die Straße „nach einer Frau“ zu benennen, bevor dort die Menschen in die 1800 neuen Wohnungen ziehen. Der Antrag steht ab Freitag, 11. März, auf der Rathaus-Agenda. Dazu erreichten mich die Gedanken von Gudrun O’Daniel-Elmen. Sie ist die Beauftragte für Erinnerungskultur im evangelischen Kirchenkreis Spandau.

„Mit Interesse habe ich den Antrag von Herrn Leschewitz zur Umbenennung der Carossastraße gelesen. Das unterstütze ich ausdrücklich und habe auch einen Vorschlag mit einem deutlichen Bezug zum Siemens-Luftfahrtgerätewerk, das auf dem Gelände Rüstungsgüter überwiegend von Zwangsarbeiter*innen produzieren ließ.“

„Ich schlage vor, die Straße nach Elisa Gérard zu benennen. Sie war im Luftfahrtgerätewerk Zwangsarbeiterin.“

Elisa Gérard, geborene Weiss (1922-2018) musste in Hakenfelde drei Jahre für die Nazis arbeiten. 2011 hat die Frau über diese Zeit erstmals mit Deutschen gesprochen: mit den Jugendlichen der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau, die damals zu ihr in die Bretagne/Frankreich reisten und später ein Buch veröffentlicht haben. Nehmen Sie sich für dieses 38-Sekunden-Video der Jugendgeschichtswerkstatt kurz Zeit. Elisa Gérard war eine gute Sängerin.