Der Ausflugstipp für die Sommerferien

Veröffentlicht am 23.06.2020

Alles schon in Berlin gesehen? Von wegen. Thomas Loy kommt von der Nordseeküste, lebt seit 1995 in Berlin und schreibt beim Tagesspiegel den Bezirksnewsletter für Treptow-Köpenick – ferne Welten also (von Eiskeller in Hakenfelde bis Schmöckwitz im Südosten sind es mal eben 51,7 Kilometer). Für den Tagesspiegel hat Thomas Loy einen Berliner Ort besucht, an dem er in 25 Jahren noch nicht war: die Zitadelle in Spandau. Hier sein Text.

„Für mich hat die Zitadelle Spandau immer was Comichaftes gehabt, so eine idealisierte Festungsoptik aus dem Asterixheft. Vier spitze Ecken zur Feindbearbeitung, Pulverturm und ein paar Kasernen dazwischen. Passt nicht wirklich nach Berlin. Liegt ja auch in Spandau, für mich als Südostler nur als Tagesausflug erreichbar.

Nun gut, ab in die U7 und dösen bis zur Station Zitadelle, die gibt es wirklich. Nach dem Aussteigen erhebt sich zunächst die mächtige Front von Teppich-Kibek hinter einer breiten Autoschneise. Auf dem Fußmarsch zur Zitadelle kurvt plötzlich ein Kleinwagenfahrer um mich herum über Rad- und Gehweg. Er gehört offenbar zum direkt an der Straße siedelnden Toyota-Autohaus. Hinter diesem kommt noch Nissan-Wegener, dann öffnet sich die Bebauung und gibt den Blick zur Zitadelle frei. Ziegelmauern, Kopfsteinpflaster, Eingangstor, zwei gut gefüllte Burggräben, passt alles. Nur die Zugbrücke erscheint mir etwas mickrig.

Das Zitadellen-Personal empfängt mich mit großer Herzlichkeit, die Besucher sind rar derzeit. Es kämen sonst aber nicht nur Berliner auf Besuch, auch jede Menge Touristen, versichert der Wächter der „Puppen“, die einst auf der Siegesallee im Tiergarten standen und nun, etwas beengt, im Ex-Proviantmagazin der Zitadelle. Der Wächter weiß ziemlich gut Bescheid, wie die heroischen Skulpturen nach dem Krieg erst vergraben wurden, auf Geheiß der Alliierten, und dann wieder ausgegraben. Auch der Lenin-Kopf aus Friedrichshain liegt hier, nach der Wende vergraben und dann wieder ausgegraben. Die Zitadelle birgt jede Menge Geschichten, eine Ausstellung mit skurrilen Stasimethoden an der ehemaligen Berliner Außengrenze und ein großes Haus mit Kunst-Installationen. Auch den Zitadellen-Erbauer, Graf Rochus zu Lynar im schwarzen Wams, lernt man kennen. Blieb damals, weitgereist und viel bewundert, in Spandau hängen, nachdem er so dermaßen mit Geld und Gütern (einen Häuserblock, 250 Tonnen Bier etc.) überhäuft worden war, dass er offenbar der Trägheit verfiel.

Auch an Natur geizt die Zitadelle nicht. Es gibt etliche Wiesen und Hänge, mächtige Bäume und Seerosenidyllen, ein Refugium der Abgeschiedenheit. Und eine Gastronomie, die derzeit aber nur Getränke liefern kann. Soll sich demnächst bessern, versichert die Bedienung.“

Und welchen Ort sollten Spandauer unbedingt einmal angucken? Nennen Sie Ihre Top-3-Tipps, die mehr Aufmerksamkeit verdienen. Ich sammele Ausflugsideen und nenne die Tipps hier in den Sommerferien. Mail: spandau@tagesspiegel.de – Text: André Görke
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