Nachbarschaft

Veröffentlicht am 11.09.2018 von André Görke

Willi, 5 Monate, Hund (im Krankenhaus).

Vorstellen, bitte: „Guten Tag, mein Name ist Willi – Willi aus Wustermark, ich bin im März geboren und arbeite im Krankenhaus Havelhöhe. Wir haben dort 13.750 Patienten pro Jahr, 1000 Mitarbeiter und jetzt auch mich, Willi. Ich bin ein Labrador-Retriever-Rüde. Ein- bis zwei Mal in der Woche besuche ich die Geriatrie-Station. Im Krankenhaus sagen sie, dass ich ein kleiner Meister darin sei, traurige und depressive Patienten zu begeistern. Sobald ich nämlich die Station betrete, kommen die Patienten aus dem Zimmer und wollen mit mir spazieren, egal ob sie Rollstuhl oder Rollator nutzen. Sie interessieren sich wieder für die Umwelt, sie bücken sich nach mir, lächeln und erzählen mir Geschichten von früher. In Vollzeit darf ich nicht arbeiten, zwei Stunden hat das Amt erlaubt mit Ruhepausen, aber Wald und Wiese haben wir in Havelhöhe ja reichlich, oder? Manchmal schlafe ich unter dem Tisch, aber das Schnarchen soll keinen stören, ganz im Gegenteil! Was ich nicht so gut kann: alleine sein. Mein Chef, Oberarzt Roland Zerm, nennt mich einen wertvollen Kollegen, wobei meine wahre Chefin immer noch Schwester Mirjana Stachowski ist. In ihrer Familie – mit zwei Kindern, 9 und 13 Jahre alt – wachse ich nämlich auf.“

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