Nachbarschaft

Veröffentlicht am 21.05.2019 von André Görke

Matthias Küstermann, 53, Kirchwart in der berühmtesten aller Spandauer Kirchen: St. Nikolai in der Altstadt. Er ist der Mann hinter der Falkencam: www.turmfalken-nikolai-spandau.de

Herr Küstermann, jede Woche berichten wir hier im Spandau-Newsletter über die Falken in Ihrem Kirchturm. Der Vogel brütet und brütet und brütet… wie lange dauert das denn?! „28 bis 30 Tage, bis der erste Vogel schlüpft.“

Und wann ist’s soweit? „Na, jetzt – gestern ging’s los. Um 12.30 Uhr hatte das erste Ei ein Loch, eine halbe Stunde später war das erste Küken da. Die müssen die Schale durchpicken, das kann dauern, die ist ja unterschiedlich dick. Doch die Kleinen hatten es plötzlich ganz eilig. Bis heute Mittag, 13 Uhr, sind noch drei weitere Jungen geschlüpft.“

Und das letzte, das fünfte Ei? „Wir würden uns freuen. Und wir hoffen, dass das Männchen auch genügend Nahrung für die Kleinen herbeischafft.“

Der weibliche Vogel brütet weiter? „Wenn das Männchen Nahrung bringt, kommt sie raus an die frische Luft. Dann setzt er sich aufs Ei – sonst hält er sich schön raus (lacht).“

Was bringt der eigentlich für Nahrung? Unten ist McDonald’s … „Nein, keine Burger-Reste! Mäuse, Eidechsen, Käfer, kleine Vögel – so was essen die. Das Männchen fliegt bis zu fünf Kilometer zu den Jagdrevieren.“

Gibt’s noch mehr Falken da oben? „In Spandau? Bestimmt. Im Rathaus gibt es ein Falkennest, in der Lutherkirche auch … 300 Paare sollen es berlinweit sein. Stadtfalken bleiben Stadtfalken, die brüten nicht auf dem Land.“

Wo ist denn das Nest genau? „Der Kasten befindet sich oben im Turm, über der Uhr im Kirchenschiff, schauen Sie mal genau hin. Der wurde 1989 eingebaut, als der Kirchturm die neue Haube bekam. Die Kamera gibt es seit 4 Jahren.“

Und was machen Sie so? „Ich bin hier der Kirchwart – also Techniker, Hausmeister, Mädchen für alles. Ich mache den Job seit 2011, war vorher Fernfahrer auf einem 40-Tonner. Dann kam ich in diese wirklich tolle Gemeinde. Schön lebendig ist das hier.“

Wo wohnen Sie? „Mit meiner Frau in der Altstadt, direkt neben der Kirche. Ich sehe den Turm aus meinem Wohnzimmer. Nachts ist er bis 23 Uhr angestrahlt. Ganz besonders finde ich den Moment, wenn ich morgens die Kirche öffne und das erste Licht durch die Fenster scheint.“

Was ärgert Sie in Spandau? „Fehlender Anstand. Ich ärgere mich, wenn Leute hinter die Kirche gehen und gegen die Wand pinkeln. Ich ärgere mich über Kino-Besucher, die ihren Popcorn-Eimer einfach auf den Boden schmeißen, als würden sie gern im Dreck leben. Das lockt übrigens auch Ratten an. Dieses Verhalten frustriert mich.“

Und Ihr Wunsch? „Wer einen Greifvogel auffindet, sollte bitte, bitte nicht versuchen, den selbst aufzupäppeln. Das ist verboten, das ist Sache für uns Fachleute. Stopft man solch ein Tier beispielsweise mit Hunde- oder Katzenfutter voll, bedeutet das den sicheren Tod für das Tier.“ – Gespräch: André Görke

Info: Hier der Service für Leute, die einen verletzten Greifvogel oder ein Jungtier entdecken und Hilfe rufen möchten.
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Dieses Interview haben wir als Leseprobe dem neuen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel entnommen. Den Spandau-Newsletter, den wir Ihnen kompakt einmal pro Woche mailen, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de. Ich freue mich auf Sie!

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