Nachbarschaft

Veröffentlicht am 03.12.2019 von André Görke

Nicolas Budde, 34, Pfarrer in Kladow. Seine Gemeinde hat 2400 Mitglieder.

Herr Budde, mich sprechen immer wieder Leserinnen und Leser auf Ihre Kirche in Kladow an. „Warum?“

Es spielen sich bei Ihnen da unten in Kladow bemerkenswerte Szenen ab, die man in Berlin so nicht erwartet: Plötzlich kommt im Zentrum alles zum Erliegen, selbst der wichtige BVG-Doppeldecker X34 muss stehen bleiben. Die Polizei sperrt alles ab – und dann zieht ein Trauermarsch langsam und leise 350 Meter durchs Dorf, mitten über die Hauptstraße, wie vor 100 Jahren. Wie oft passiert so etwas? „Vielleicht zwei Mal pro Monat. Es ist eine wunderschöne dörfliche Tradition, die wir uns hier in Kladow erhalten haben. Es ist für mich immer ein besonderer Moment zu sehen, wie für einen kurzen Augenblick das Dorf still steht und die Trauer im Alltag Platz hat. Schade nur, dass hinten oft gehupt wird, weil die Leute den Grund für den Stau nicht erkennen…“

Warum zieht die Trauergemeinde überhaupt durch das Ortszentrum? „Da der Friedhof im Dorf keine Kapelle besitzt, finden die Trauerfeiern in der Dorfkirche statt. Die Trauergesellschaft zieht dann mit dem Pfarrer hinter der Urne her und geleitet den Verstorbenen auf seinem letzten Weg. Ich muss vorher immer der Berliner Polizei Bescheid sagen.“

Wo kommen Sie eigentlich her? „Ich bin Berliner, aus Wilmersdorf. Ich war erst in Haselhorst und Wilhelmstadt tätig, vor zweieinhalb Jahren habe ich dann die Pfarrstelle in Kladow übernommen und bin mit meiner Frau und meinen Kindern hergezogen. Schön hier.“

Ihre Schwerpunkte im Dorf-Alltag? „Die Arbeit mit Familien. Aber auch die Kiezarbeit steht im Vordergrund – zum Beispiel bei der Gedenkfeier für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Kladow. Oder beim Café Südwind, das wir zusammen mit der Unterkunft für Geflüchtete in Gatow anbieten. Oder die Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Kladower Forum. Etwas Besonderes für Berliner Gemeinden ist in jedem Fall auch die sehr enge Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde der Schilfdachkapelle.“

Der nächste Höhepunkt? „Zum Beispiel der musikalische Gottesdienst am 2. Advent um 18 Uhr mit ‚Magic of Gospel‘. Oder am 4. Advent mit der Kladower Kantorei um 10 Uhr.“

Ein Jubiläums-Blick in die Zukunft? „Auch wenn die Dorfkirche vor 200 Jahren neu erbaut wurde, also 1818/1819, so wird das große Fest erst 2022 stattfinden – 200 Jahre nach dem Kirchweihfest im Jahr 1822.“ – Text: André Görke

  • Die Geschichte der Kladower Dorf-Kirche im Netz: ev-dorfkirche-kladow.de
  • Meine Kladow-Fotostrecke für die Leserinnen und Leser des Tagesspiegel-Newsletters für Spandau: Kladow in Bildern (fast 70 Fotos).
  • … und wer ist ‚Magic of Gospel‘, der musikalische Gast am 2. Advent? Der stellt sich heute im Kultur-Teil einfach selbst vor – weiter unten im Spandau-Newsletter.