Nachbarschaft

Veröffentlicht am 14.01.2020 von André Görke

Meine Top-10 zur Siemensstadt 2.0. Hier zehn Mini-Fakten zu den 600-Mio-Plänen im Berliner Westen, die jetzt vorgestellt worden sind.

1.) Das Hochhaus: „Café in 150 Metern Höhe“. Berlin-Spandau, sei tapfer! Noch ist der heilige Rathausturm mit 80 Metern das höchste Gebäude im Bezirk. Doch in Siemensstadt entsteht ein Hochhaus mit viel Glas – bis zu 150 Meter, als starker Kontrast zu den Industrie-Backsteinbauten ringsherum. „So eine Landmarke finde ich gut“, sagte mir Stadtrat Frank Bewig, CDU, bei der Präsentation der Pläne. Die Hochhausspitze wird öffentlich nutzbar sein. Café, Kultur, Terrasse? Hauptsache für die Bürger.

2.) Die Projektchefin: „Meine Mama ist Spandauerin“. Seit März 2019 ist Karina Rigby „Head of Siemensstadt 2.0 – Projekt to build a Smart City in Berlin“, also die Chefin des Projekts. „Meine Mama wohnt in Spandau“, sagte sie dem Spandau-Newsletter. „Ich komme aus einer echten Berliner Familie in der 4. Generation – Neukölln, Wilmersdorf, diese Ecken. Ich bin aber selbst in den USA geboren, habe die High School besucht, dort studiert. Berlin ist für mich daher eine besondere Aufgabe.“ Vorbildlich I.: Den Spandau-Newsletter liest sie bereits.

3.) Der Siemens-Chef: Frösche & Nonnen. „Früher gab’s hier Frösche, Sümpfe, Nonnenwiesen“, sagt Cedrik Neike. Er ist in Wedding aufgewachsen und machte in Siemensstadt seine Ausbildung. Heute gehört er dem Siemens-Vorstand an. „Wir wollen Altes bewahren, Neues erschaffen – mit Arbeiten, Lernen, Forschen und 2750 Wohnungen.“ Vorbildlich II.: Am Abend hat er den Twitter-Kanal vom Spandau-Newsletter abonniert.

4.) Die Schule: „Europa-Schule Englisch für 600 Kids“. In der Jury saß Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank, SPD. Hier verrät er Details zur neuen Schule: „Wir bauen in der 1. Etappe eine Grundschule für 600 Kinder – eine Europaschule, an der 50 Prozent der Kinder in Englisch unterrichtet werden. Das zieht Kinder aus ganz Berlin an.“ Wo? Neben dem S-Bahnhof Siemensstadt, ab 2023.

5.) Die Architekten. Heißen Markus Penell (54, geboren in Karlsruhe, Büro „Ortner & Ortner“, auf dem Foto tippt er aufs Hochhaus) und Tancredi Capatti  (Landschaftsarchitekt, 47, geboren in Italien).

6.) Die Wohnungen: „Junge Familien von der Uni“. 2750 Wohnungen sollen entstehen. Es gibt zwei Kieze: erstens zwischen dem Hochhaus und dem S-Bahnhof Siemensstadt und zweitens am S-Bahnhof Gartenfeld im Norden. Stadtrat Frank Bewig, CDU, zum Spandau-Newsletter: „Ich hoffe, dass junge Leute herziehen: Singles, aber auch junge Familien, die von der Uni kommen und dort arbeiten. Etwas ruhiger wird es im nördlichen Wohnbereich. Da hoffe ich, dass auch Eigentumswohnungen entstehen.“ Initiativen kämpfen für den Milieuschutz, weil die Mieten steigen werden.

7.) Die Grünanlagen: „400 Meter Promenade“. In der Mitte des Siemens-Campus entsteht eine 400 Meter lange Promenade – mit Cafés, ohne Autoverkehr. Im Kiez selbst wird es Shuttles geben (und nebenan rollen U-Bahn und S-Bahn). Kleebank: „Die grüne Promenade von Ost nach West finde ich besonders gelungen.“ Die Siemensstadt soll ganz anders sein als heute: urbaner, ohne Zäune, wie eine Stadt und nicht wie eine Aneinanderreihung von Arbeitersiedlungen.

8.) Alte Siemens-Zentrale: „Betten statt Büros“. In der wuchtigen Siemens-Zentrale am Rohrdamm sollen Wohnungen entstehen, daneben ein Hotel. Die Siemens-Chefs ziehen in den Sockel des 150-Meter-Hochhauses.

9.) Die S-Bahn: Rettet die Biber! Verkehrssenatorin Regine Günther, Grüne, war anders als Michael Müller (Regierender, SPD), Katrin Lompscher (Linke, Wohnen) und Ramona Pop (Grüne, Wirtschaft) nicht zur Präsentation angereist. Okay, im Mittelpunkt stand der Städtebau. Aber auch ohne die Berliner Verkehrschefin wurde über die „Siemensbahn“ geredet – sie liegt seit 1980 brach und soll als S-Bahnstrecke aufgebaut werden. Aber wann? Helmut Kleebank, SPD, sagte dem Spandau-Newsletter: „2026 ist zu früh für die Inbetriebnahme der S-Bahn, ich halte 2028 für realistischer. Der S-Bahn-Bau sollte jetzt unter der Havel bis Hakenfelde dringend mitgeplant werden. Es geht nur unterirdisch. Wo sollte denn in Haselhorst ein S-Bahn-Damm aufgeschüttet werden? Mitten im Naturschutzgebiet für die Biber an der Rhenaniastraße? Nein, damit kommt keiner durch. Und für eine Brücke mitten durch die Wasserstadt sehe ich auch keinen Platz.“

10.) …und wie geht es weiter? Bis März werden die Entwürfe in der Mosaikhalle öffentlich ausgestellt. Von April bis Juni 2020 werden die Fassaden und Details für den 1. Abschnitt (südwestlich vom S-Bahnhof Siemensstadt) entworfen. 2022 soll Baubeginn sein – eröffnet wird in Etappen. 2030 soll das Viertel fertig sein. Infos: Siemens – Text: André Görke
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