Nachbarschaft

Veröffentlicht am 04.02.2020 von André Görke

Martina Grittke, 56, Kaffee-Expertin aus der Altstadt von den „Barista Sisters“. Sie lebt in Haselhorst, im Berliner Bezirk Spandau.

Frau Grittke, Zeit für einen kurzen Kaffee-Plausch? Stellen Sie sich doch bitte mal kurz vor. „Wir haben einen Kaffee-Buddy, einen Retro-Anhänger… so einen Foodtruck für Kaffee halt. Damit stehen wir einmal im Monat in der Altstadt vor dem Rathaus, immer am 1. Sonnabend im Monat. Der Kaffee kommt von einer Rösterei aus Wedding. Die weiß bis zur Ernte ganz genau, wo die Bohne herkommt. Der Kaffee ist fair gehandelt, öko und schmeckt. Plastikmüll vermeiden wir. Klar, das hat seinen Preis, und der Preis ist immer ein schwieriges Thema in Spandau, aber das ändert sich langsam. Ich habe auch Sandkuchen mit Waldbeeren, Nuss oder Zitrone im Angebot… und hausgemachte Limoessence. Wir nennen uns die ‚Spandauer Barista Sisters‘.“

Wie heißt denn Ihre Schwester? „Meine Schwester? Ach, wegen Sisters! (lacht) Nee, das ist eine Spielerei, ich bin gelernte Schauspielerin, und ich hatte irgendwann die Idee, meine Kaffee-Idee um Klara und Finja aufzubauen: zwei Puppen, meine Schwestern. Unterstützt werde ich von meinem Lebenspartner.“

Kommen Sie aus Spandau? „Geboren bin ich in Wilmersdorf, aber aufgewachsen in Haselhorst. Meine Eltern wohnten in der Siemens-Siedlung. Ich bin immer in Spandau geblieben oder zurückgekehrt. Ich habe mal in Prenzlauer Berg gewohnt. Nach der Wende war das, Anfang der 90er Jahre. Ich wohnte am Kollwitzplatz. Da war alles im Aufbruch, mit viel Kultur und Kreativität und nicht so schick wie heute. Aber ich bin wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt nach Haselhorst. Ich brauche das Wasser, und davon hat Prenzlauer Berg leider nicht viel. Ich liebe es, über die Brücke auf die Insel Eiswerder zu laufen.“

Stehen Sie nur vor dem Rathaus? „Wir standen auch auf dem Winterfeldtplatz neben den veganen Würsten. Wir werden oft gebucht, bei verkaufsoffenen Sonntagen zum Beispiel. Mein Freund und ich bedauern sehr, dass es in Spandau oder Reinickendorf auf den Märkten noch so wenig verbreitet ist, wie wichtig ‚Nachhaltigkeit‘ ist. Am liebsten würden wir selbst einen kleinen Markt in Spandau gründen – Bio, vegane Taschen, Naturkosmetik, mit nachhaltigen Dingen. Da sind wir im Gespräch mit dem Rathaus. Wenn der Tag vorbei ist, nehme ich den ganzen Kaffeesatz und kippe ihn bei mir in die Beete. In Hakenfelde habe ich einen Garten. Sie sehen, hier kommt nichts weg in Spandau.“ Kontakt: zum Beispiel über Facebook – Text: André Görke

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