Nachbarschaft

Veröffentlicht am 10.03.2020 von André Görke

Bianca Voyé, 48, Musikerin im „Jugendblasorchester Spandau“. Bianca Voyé ist Fremdsprachensekretärin und hat fast ihr ganzes Leben in Berlin-Spandau gelebt. Hier spricht sie über den Sound von Spandau.

P.S. Dieses Interview erschien in leicht geänderter Form neulich im Tagesspiegel-Newsletter für Spandau. Den Konzerttipp habe ich wegen der Corona-Verbote rausgenommen und ergänzt. Wäre doch schade, wenn diese Geschichte nicht erzählt würde, oder? 

Frau Voyé, wenn Spandau ein Blasinstrument wäre, dann wäre es ein… „oha, da muss ich kurz nachdenken.“

Eine feine Klarinette, eine wuchtige Tuba? „Nein, vielleicht ein Euphonium. Kennen Sie das? Das ist eine kleine Tuba, ein begleitendes Musikinstrument im Orchester. Klingt sehr schön, ist vielseitig, kennt aber nicht jeder.“

Frau Voyé, Sie gehören dem Jugendblasorchester Spandau an. Stellen Sie Ihren Verein doch bitte kurz vor. „Wir sind keine klassische Blaskapelle, in unserem Repertoire findet sich Musik für jeden Geschmack – Chart-Hits, Filmmusiken, Klassik, Jazz, Rock, Pop…“

Und wie hat das alles angefangen? „Das Spandauer Blasorchester 1960 kennen Sie? Das ist vielen bekannt und groß. Aber uns fehlte der Nachwuchs. Und so haben wir eine kleinere Jugendgruppe gebildet. 2004 war das, und seit 2012 sind wir ein eigener Verein. Heute haben wir 35 Musikerinnen und Musiker, alle so zwischen 12 und 22 Jahre alt. Zu den Anfängen unseres Orchesters gehört ein Musikprojekt in der Paul-Moor-Grundschule am Melanchthonplatz. Da gab es eine „Bläserklasse“. Da haben die Kinder Musikinstrumente kennengelernt – und ein Kind von damals ist sogar heute noch dabei.“

Und wie alt sind Sie? „Ich bin 48 (lacht). Wir haben im Jugendorchester auch ein paar Erwachsene. Manche sind Eltern, andere nehmen die Dozentenrolle ein. Und ich bin die Schatzmeisterin. Ich spiele seit meinem 10. Lebensjahr Klarinette und bin seit 35 Jahren begeisterte Orchestermusikerin. Mit anderen zusammen Musik zu machen, ist eine tolle Erfahrung, die ich jedem wünsche.“

Wer neugierig ist, sollte was machen? „Sich gerne bei uns melden! Wir suchen Kinder und Jugendliche, die Spaß am Musizieren haben. Aber wir sind keine Band – Gitarristen brauchen wir also eher nicht (lacht). Aber sonst querbeet: Tuba, Querflöte, Posaune… zwei Jahre Vorerfahrung sollte man am Musikinstrument allerdings haben. Wir treffen uns einmal in der Woche in der Grundschule am Birkenhain an der Seeburger Straße und üben.“

Das Frühlingskonzert am 21. März im Kant-Gymnasium fällt aus – wegen Corona. Dazu schrieb mit Voyé mittlerweile: „Wir freuen uns, Sie bei unserem nächsten Konzert am Samstag, 13. Juni, 15 Uhr in der Zuversichtskirche Staaken zu begrüßen. Wir hoffen, dass sich die Situation für alle wieder entspannt.“

Und ohne Musik: Wo liegt Ihr Spandau, Frau Voyé? „Drei Jahre habe ich mal in Kopenhagen gelebt, aber sonst: Geboren in Hakenfelde, aufgewachsen in Kladow, Falkenhagener Feld, Altstadt. Jeder Ort ist anders, keiner ist besser, jeder passte zu meinem persönlichen Lebensabschnitt. In Kladow war es toll als Kind, weil der See um die Ecke lag. Aber es ist weit draußen, wenn man als Jugendliche in die Stadt will oder zur Oberschule musste – die gab es ja früher nicht in Kladow. Später war daher die Altstadt besser wegen der Nähe zur U-Bahn.“

Ihr Lieblingsort in Spandau? „Spontan: Ich mag ‚Florida Eis‘ – die alte Filiale am Ziegelhof. Und dann bitte eine Kugel Erdbeer-Eis.“

Und was sollte sich in Spandau verbessern? „Ich wohne heute auf der anderen Seite des Glienicker Sees in Groß Glienicke. Wenn ich träumen darf, dann von einer Schienenverbindung am Stau auf der Potsdamer Chaussee vorbei.“

Kontakt & Termine: Das Jugendblasorchester im Netz: jbo-spandau.de – Text: André Görke

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