Nachbarschaft

Veröffentlicht am 02.06.2020 von André Görke

Julia Colm, 53, Chefin im Freiluft-Kino in der Altstadt von Berlin-Spandau. Auf dem Foto mit ihrem Mann, Roman Colm. Beide sind gut im Stress.

„Wir taumeln hier ganz fassungslos herum vor Glück“, sagt Julia Colm, als ich sie am Pfingstwochenende erreiche. „Und im real life brüten wir akribisch über den Zahlen und versuchen eine Wirtschaftlichkeit darzustellen.“ Denn seit 2. Juni, also heute, gilt die neue Senatsregel: Freilichtkinos dürfen für den Publikumsverkehr geöffnet werden.

Und wie ist der Plan für das Open-Air-Kino in Spandau? Das befindet sich im Hof der Altstadtbibliothek am Rathaus, und dahinter steckt Kino-Familie Colm. Sie, Julia Colm, macht seit fast 30 Jahren Kino, davon 17 Jahre in Spandau. Ihr Mann, Roman Colm, ist noch länger dabei („Er stammt aus einer Berliner schwäbischen Kinofamilie, die seit 1929 die Leinwand leuchten lässt“). Der Staakener hat hier im Newsletter mal die kulturelle Relevanz für die Altstadt so beschrieben: „Wir locken längst Kinoliebhaber aus der Innenstadt an, die sonst gar nicht nach Spandau kommen würden. Und natürlich fahren auch Neugierige aus dem Umland zu uns – Nauen, Potsdam, Falkensee.“ Doch dann kam Corona.

„Im Moment sieht es in dieser dramatisch-chaotischen Komödie tatsächlich nach einem Happy-End aus“, erzählt mir Colm, als ich sie nach dem Start in der Corona-Krise frage. „Und weil wir fest daran glauben, dass alles gut ausgeht, haben wir mit unserem Team schon am Wochenende im Hof der Stadtbibliothek mit den Vorarbeiten begonnen und schwer geackert.“ Hier zeige ich Ihnen Fotos vom Aufbau der Leinwand.

„Nachdem der Senat das Thema OpenAirs lange offenbar komplett ausgeblendet hatte, kam die Entscheidung  recht plötzlich. Klar freuen wir uns, allerdings wissen wir auch, dass wir noch nicht über den Berg sind. Unser ausgeklügeltes Sicherheits- und Hygienekonzept liegt im Rathaus und wartet auf Freigabe. Wir glauben, dass wir an alles gedacht haben. Insbesondere hoffen wir, dass die Sitzplatzreduzierung so wie eingereicht genehmigt wird. Daran hängt nämlich – Überraschung!  – die Rentabilität.“ Ihre Hoffnung: „Ein Go! in dieser Woche wäre toll, dann könnten wir endlich das Programm aufsetzen und verbindlich Filme buchen.“

„Und dann… tada!… könnte es am Freitag, 12. Juni losgehen.“ Und wie könnte der Saisonstart aussehen? „Im Moment plane ich ein Eröffnungskonzept à la „Housewarming“, also ein bisschen wie beim BER: Probebetrieb mit Zuschauern“, sagt Colm. „Dann sehen wir gleich, wie die Wege funktionieren und wo’s hakt mit der Umsetzung der Auflagen und was nachjustiert werden muss – dafür geht es in Richtung freier Eintritt für alle Testbesucher, die dann konstruktiv mitarbeiten, aber nicht meckern sollen.“

Und welcher Film passt zum Start zur Corona-Krise? „Nur soviel: Es ist ein toller emotionaler Film mit passendem Titel“. Den erfahren Sie im nächsten Spandau-Newsletter am Dienstag, wenn das Amt die Freigabe fürs Kino erteilt hat. – Text: André Görke
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